Ein Tag Ahnenforschung

so viele Wege in die Vergangenheit

Manchmal merkt man schon in der Vorstellungsrunde, dass ein Kurs etwas Besonderes wird. So war es auch heute beim VHS-Kurs „Einführung in die Ahnenforschung“.

Zehn Menschen, zehn ganz unterschiedliche Zugänge zur Ahnenforschung – und doch ein gemeinsames Interesse: verstehen, woher man kommt und Geschichte(n) bewahren.

Zehn Teilnehmende – zehn Motive

Die Gründe, warum Menschen sich mit ihrer Familiengeschichte beschäftigen, könnten kaum vielfältiger sein:

  • Beim Verkauf eines Hauses tauchen plötzlich alte Unterlagen auf – und mit ihnen Fragen.
  • Jemand möchte die Geschichte seines Hofes erforschen: Wer hat hier gelebt? Wann wurde er erbaut? Welche Familien haben ihn geprägt?
  • Eine Teilnehmerin brachte ein Foto mit – und eine große, sehr persönliche Frage: Wie war es, nach Sibirien interniert zu sein?
    Ihr Zugang zur Ahnenforschung ist ein emotionaler, tastender – ein Versuch, einer Person näherzukommen, sie zu „erspüren“.
  • Andere interessieren sich für ihren Familiennamen, für Herkunft, Linien, Zusammenhänge.
  • Manche möchten einfach wissen: Wer waren meine Vorfahren eigentlich?

Ahnenforschung ist selten nur ein Projekt. Oft ist sie ein Prozess und sie hat „Suchtcharakter“.

Ankommen, erzählen, zuhören

Wir starteten mit einer ausführlichen Vorstellungsrunde.
Jede und jeder erzählte, warum er oder sie heute hier ist.

Mehrere Teilnehmende sagten, sie hätten lange nach genau so einem Kurs gesucht. Eine Person war sogar aus Gießen angereist und spürbar glücklich, dieses Angebot gefunden zu haben, was mich natürlich sehr freut und bestärkt.

Die meisten waren Einsteiger, zwei Teilnehmende kannten den Kurs bereits – und waren dennoch bewusst ein zweites Mal dabei. Auch das ist Ahnenforschung: Man hört manches später mit anderen Ohren.

Werkzeuge, Wege – und neue Perspektiven

Im Laufe des Tages ging es um:

Ein wichtiger Punkt war auch das Führen von Interviews:
Welche Fragen stelle ich? Wie öffne ich Gespräche, ohne zu überfordern?

Zum ersten Mal: KI im Ahnenforschungskurs

Zum ersten Mal habe ich in diesem Kurs auch das Thema Künstliche Intelligenz aufgegriffen – und das Interesse war groß.
Gerade das Beispiel von meiner Tante Dele hat gezeigt, wie KI helfen kann, Texte zu strukturieren, Zusammenhänge sichtbar zu machen oder neue Blickwinkel zu eröffnen.

Nicht als Ersatz für eigene Recherche – sondern als Werkzeug, das unterstützen kann.

Geschichten, Austausch, Begeisterung

Was diesen Tag besonders gemacht hat, waren nicht nur die Inhalte, sondern die Gespräche. Es wurde viel diskutiert, gelacht, nachgedacht.
Es wurden Geschichten geteilt – und neue Ideen geboren.

Am Ende des Tages war die Stimmung eindeutig:
Neugier, Motivation und der Wunsch, weiterzuforschen.

Wie geht es weiter?

Aus dem Kurs heraus sind bereits neue Gedanken entstanden:

  • Ein gemeinsamer Besuch im Personenstandsarchiv in Neustadt
  • Ein Vertiefungskurs, mit mehr Raum für praktische Übungen und individuelle Fragestellungen

Ahnenforschung endet nicht mit einem Kurstag.
Oft beginnt sie genau dort erst richtig.

„Ein Tag Ahnenforschung“ weiterlesen

Ein Jahr Häkeln – meine Temperaturdecke

Manche Projekte sind laut, groß und fordernd.
Und dann gibt es diese anderen – leisen Projekte, die wachsen, ohne Druck zu machen.
Meine Temperaturdecke gehört ganz eindeutig zur zweiten Sorte.

Die Idee dahinter ist einfach und gleichzeitig unglaublich vielschichtig:
Ein Jahr wird Masche für Masche sichtbar gemacht.


Was ist eine Temperaturdecke?

Eine Temperaturdecke ist ein Häkel- oder Strickprojekt, das sich über ein ganzes Jahr erstreckt.
Jeder Tag bekommt seinen Platz – in Form von Farbe.

In meinem Fall bedeutet das:

  • jeder Tag besteht aus zwei Reihen
    • eine Reihe für die Tiefsttemperatur
    • eine Reihe für die Höchsttemperatur
  • die Farben richten sich nach festgelegten Temperaturbereichen
  • kalte Tage bewegen sich in Blau-, Lila- oder Grautönen
  • warme Tage wandern Richtung Gelb, Orange oder Rot

Wie fein oder grob diese Abstufungen sind, ist ganz individuell.
Manche arbeiten mit 2-Grad-Schritten, andere mit 3 oder sogar 5 Grad.
Je mehr Farben man nutzen möchte, desto feiner kann man die Skala anlegen.


Mehr als Wetter: Erinnerungen einweben

Für mich ist eine Temperaturdecke nicht nur eine Wetteraufzeichnung.
Sie ist auch ein Jahresbegleiter.

Ich nutze kleine Maschenzähler oder Anhänger, um besondere Tage zu markieren:

  • Geburtstage
  • wichtige Termine
  • schöne Erinnerungen
  • manchmal auch stille, nachdenkliche Tage

So entsteht eine Decke, die man später nicht nur anschaut, sondern liest.
Man erkennt nicht immer sofort, warum ein bestimmter Abschnitt besonders ist – aber man weiß es.


Meine Technik: Mosaik-Häkeln

Ich häkle meine Temperaturdecke im Mosaik-Häkeln.
Diese Technik arbeitet mit klaren Linien und grafischen Mustern und eignet sich besonders gut für größere Projekte, die über einen langen Zeitraum wachsen.

Die Muster, die ich verwende, stammen unter anderem von der isländischen Häkeldesignerin Tinna Thorudottir Thorvaldar, deren Arbeiten mich durch ihre Klarheit, ihren Rhythmus und ihre moderne, grafische Sprache sehr ansprechen.
Weitere Muster nutze ich von der britischen Designerin Suraya Hossein, deren Entwürfe sich ebenfalls wunderbar für Mosaik-Häkelarbeiten eignen.

Besonders schön finde ich die Möglichkeit, pro Monat ein eigenes Muster zu verwenden.
Der Januar beginnt bei mir mit einem Zick-Zack-Muster – ruhig, gleichmäßig, fast meditativ.
So bekommt jeder Monat seinen eigenen Charakter, ohne dass die Decke ihre Gesamtwirkung verliert.


Ein Projekt ohne Überforderung

Was ich an der Temperaturdecke besonders liebe:
Sie überfordert nicht.

  • jeden Abend nur eine oder zwei Reihen
  • kein Aufholen von verpassten Tagen
  • kein schlechtes Gewissen, wenn es mal spät wird
  • ein kleines, stilles Ritual

Man setzt sich hin, schaut auf den Tag zurück, greift zur passenden Farbe –
und das Jahr wächst ganz von selbst.


Temperaturdecken als Geschenkidee

Viele Menschen häkeln oder stricken Temperaturdecken nicht für das aktuelle Jahr, sondern für ein Geburtsjahr. Online lassen sich historische Wetterdaten für viele Regionen abrufen, sodass man genau nachvollziehen kann, wie warm oder kalt es damals war.

Eine Temperaturdecke als Geschenk ist:

  • sehr persönlich
  • einzigartig
  • voller Zeit und Aufmerksamkeit

Ein Jahr in Wolle – das ist etwas ganz Besonderes.


Mein Fazit

Meine Temperaturdecke ist kein Projekt für Perfektion.
Sie ist ein Projekt für Achtsamkeit.

Sie zeigt mir:

  • dass jeder Tag zählt
  • dass selbst unscheinbare Tage Teil eines großen Ganzen sind
  • und dass Kreativität manchmal genau dort entsteht, wo man sich Zeit lässt

Ich bin gespannt, wie meine Decke am Ende aussehen wird.
Noch mehr freue ich mich aber auf den Weg dorthin – Masche für Masche, Tag für Tag.

Was wachsen darf – ein Blick ins Neue Jahr

Als ich im vergangenen November meine Webseite online gestellt habe, war das kein lange geplantes Projekt.
Es war eher ein Impuls: der Wunsch nach einem Ort, an dem all die Dinge, die mich beschäftigen, nebeneinander Platz haben dürfen und ich hatte die Domain schon jahrelang, ohne sie zu nutzen.

Rückblickend staune ich selbst ein wenig, wie schnell diese Seite gewachsen ist – und wie viel Zuspruch sie bereits gefunden hat. Das Feedback zeigt sich dabei meist nicht in Kommentaren oder Nachrichten, sondern eher leise: in Aufrufzahlen, in wiederkehrenden Besuchen, darin, dass Texte gelesen und Seiten aufgerufen werden. Webseiten sind oft stille Orte. Und vielleicht passt genau das gut zu dem, was hier entsteht.

Diese Seite ist für mich zu einer Sammlung von Spuren geworden. Kochen, Unterwegssein, Handwerk, Geschichte, Ahnenforschung – all das gehört zu meinem Leben. Und all das darf hier nebeneinander stehen, ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Für das neue Jahr wünsche ich mir deshalb vor allem eines: Vertiefung.
Viele Bereiche sind bereits angelegt, aber noch längst nicht auserzählt. Unterseiten warten darauf, gefüllt zu werden, Themen dürfen weitergedacht werden – ohne Eile und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

So wird mich die italienische Küche weiter begleiten, verknüpft mit meinen Reisen nach Umbrien und in die Toskana. Rezepte, Orte, Erinnerungen und Eindrücke gehören für mich zusammen – und genau diese Verbindung möchte ich hier nach und nach sichtbar machen.

Auch das Handwerk, etwa das Brettchenweben, wird seinen Platz behalten und weiter wachsen. Manche Dinge brauchen Zeit, Wiederholung und Ruhe – und genau das möchte ich mir dafür nehmen.

Ein besonderes Kapitel wird in diesem Jahr sicher auch der Weg zur Eröffnung der Zeiteninsel sein, die voraussichtlich im Juni ihre Türen öffnet. Der Aufbau, die Vorbereitungen, die vielen kleinen und großen Schritte dahin – all das erlebe ich intensiv. Und ich möchte euch ein Stück weit mitnehmen auf diesem Weg.

Diese Webseite ist kein fertiges Projekt und kein Schaufenster. Sie ist im Werden – so wie ich selbst.
Ich bin gespannt, was sich in diesem Jahr zeigen wird, welche Themen sich verdichten und welche neuen Spuren dazukommen.

Schön, dass ihr mich dabei begleitet.