Auf der Rückfahrt vom Symposium zur experimentellen Archäologie und Archäotechnik der Keltenwelt am Glauberg, kreisen mir noch viele Gedanken durch den Kopf. Solche Tage sind immer besonders inspirierend – nicht nur wegen der Vorträge, sondern vor allem wegen der Gespräche und Begegnungen in den Pausen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen verschiedene Arbeitsgruppen zur experimentellen Archäologie und Archäotechnik. Der Glauberg ist dabei auf der Suche nach Menschen, die sich vernetzen und aktiv in solchen Gruppen mitarbeiten möchten – etwa in den Bereichen Eisen, Textil, Kampf oder Ernährung.
Was ist experimentelle Archäologie?
Den Einführungsvortrag hielt Thomas Lessig-Weller. Besonders gut gefallen hat mir seine klare Beschreibung dessen, was experimentelle Archäologie eigentlich ausmacht.
Ein entscheidender Punkt ist dabei die Nachvollziehbarkeit und Messbarkeit von Experimenten. Es geht eben nicht darum, einfach etwas auszuprobieren oder „irgendwie historisch zu arbeiten“, sondern darum, Fragestellungen systematisch zu untersuchen und Ergebnisse so zu dokumentieren, dass sie überprüfbar sind.
Sehr hilfreich fand ich auch die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen Experimenten und sogenannten „weichen Experimenten“.
Letztere entstehen oft aus Neugier oder praktischer Erfahrung heraus: Man probiert etwas aus, beobachtet und lernt daraus. Auch solche Versuche können wichtige Hinweise liefern – selbst wenn sie nicht den strengen Kriterien eines wissenschaftlichen Experiments entsprechen.
Arbeitsgruppe Ernährung
Mit der entstehenden Arbeitsgruppe Ernährung bin ich bereits im Vorfeld vernetzt über Christoph Röder. In der Mittagspause hatten wir Gelegenheit, ausführlicher über unsere Herangehensweisen zu sprechen.
Sein Ansatz ähnelt in vieler Hinsicht meinem eigenen: Ausgangspunkt sind die archäologischen Funde, vor allem Gefäße oder Löffel mit Anhaftungen von Nahrungsresten. Diese wurden für den Glauberg rekonstruiert – unter anderem von Susanne Gütter, die auch für die Zeiteninsel Keramik herstellt. Mit solchen Gefäßen versucht man dann herauszufinden, welche Gerichte sich mit den archäobotanisch belegten Zutaten tatsächlich zubereiten lassen.
Ein Ziel seiner Arbeit ist es, mit dem verbreiteten Bild aufzuräumen, dass Menschen in der Eisenzeit jeden Tag nur Brei gegessen hätten. Funde wie die aus dem Salzbergwerk von Hallstatt zeigen, dass die Ernährung deutlich vielfältiger gewesen sein muss.
Unsere Diskussionen gingen schnell weiter:
Wie wurde gekocht? Gab es Arbeitshöhen oder wurde am Boden gearbeitet? Gab es Tische? Wo standen Backöfen? Welche Rolle spielten Gefäße, Feuerstellen und Arbeitsflächen?
Interessant fand ich auch unterschiedliche Herangehensweisen bei den Zutaten. Während er zum Beispiel bewusst Lauch, Zwiebeln oder Apfelessig in Rekonstruktionen einbezieht, würde ich persönlich eher versuchen, mich strikt an nachweisbare Zutaten zu halten. Für mich liegt der Reiz eher darin, herauszufinden, wie Säure, Süße, Bitterkeit oder Schärfe mit den damals verfügbaren Mitteln erzeugt werden konnten.
Vernetzung
Was diesen Tag besonders wertvoll gemacht hat, waren die vielen Gespräche. Kaum war bekannt, dass wir von der Zeiteninsel kommen, wurden wir in den Pausen immer wieder angesprochen. Für das Netzwerken war diese Veranstaltung ideal.
Ein persönlicher Gedanke
Für mich persönlich hat der Tag noch einmal deutlich gemacht, wie sehr mich die Experimentelle Archäologie und Archäotechnik begeistert. Ich habe gemerkt, dass ich in diesem Bereich inzwischen viel Wissen gesammelt habe – und dass ich nach der Eröffnung der Zeiteninsel unbedingt weiter in diese Richtung arbeiten möchte.
Auch meine Entscheidung, bei EXAR (Europäische Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie e. V.) beizutreten, fühlt sich nach diesem Tag noch richtiger an.
Eine Idee zum Ausprobieren
Eine Idee habe ich sofort mitgenommen:
Am Glauberg wurde Räuchern in einem Keramiktopf ausprobiert. Das fand ich so spannend, dass ich das unbedingt einmal auf der Zeiteninsel testen möchte.
Solche kleinen Experimente – ob „weich“ oder streng wissenschaftlich – sind schließlich oft der Anfang neuer Erkenntnisse.


