Techniken des Brettchenwebens

Im Laufe der Zeit haben sich beim Brettchenweben verschiedene Techniken entwickelt, die sich vor allem darin unterscheiden, wie die Brettchen aufgezogen und gedreht werden.
Das Grundprinzip bleibt jedoch immer gleich: Durch die Drehung der Brettchen entsteht ein Fach, durch das der Schussfaden geführt wird – und so wächst das Band, Faden für Faden.

Hier stelle ich einige der historisch belegten Techniken vor, mit denen auch heute noch gearbeitet wird.


Köpertechnik

Diese Technik spielte besonders in der Eisenzeit eine große Rolle. Auf Englisch wird sie „3/1 broken twill“ genannt.
Die Brettchen werden zweifarbig bezogen – am besten mit kontrastierenden Farben – und alle in eine Richtung gestellt. Für die Musterung eignet sich eine ungrade Zahl an Brettchen gut. Durch die Drehung entstehen diagonale Linien im Gewebe, ähnlich wie bei einem gewebten Köperstoff.
In der Köpertechnik lassen sich sowohl einfache Streifen als auch komplexe geometrische Muster gestalten.

Hallstattborte

Historische Borten, die man mit dieser Technik gewebt hat, gibt es aus Hallstatt, Evebo, Maaseik, Mammen, Arlon und vielen anderen Orten.


Flottierungstechnik

Die englische Bezeichnung für diese Technik heißt „Snartemo„, nach einer bekannten Borte. Hier bleiben bestimmte Kettfäden für mehrere Drehungen „oben“ und flottieren über dem Gewebe – daher der Name.
So entstehen dreifarbige oder vierfarbige, oft sehr plastische Muster.
Bekannte Beispiele stammen aus frühmittelalterlichen Funden, etwa aus Snartemo, Köln oder Chelles.

Flottierendes Muster von Sylvia Crumbach

Ausgelassener Einzug (3-Loch-Technik)

Die englische Bezeichnung lautet „Missing Hole„. Bei dieser Technik bleibt ein Loch jedes Brettchens leer.
Dadurch wirkt das Band leicht erhaben und zeigt eine fast dreidimensionale Struktur.
Die Technik wurde unter anderem in Hochdorf und im nordischen Raum angewandt – ihre lebendige Textur macht sie bis heute besonders reizvoll.


Stippengewebe (2-Loch-Technik)

Hier werden nur zwei Löcher eines Brettchens mit Fäden bezogen.
Durch den Wechsel von S- und Z-Stellung entsteht das charakteristische „Stippen“- oder „Pebble“-Muster, das an kleine Körnchen erinnert.
Es ergibt ein sehr feines, dichtes Gewebe und war in vielen Regionen Europas verbreitet.


Broschieren

Auf Englisch „brocading“ genannt. Beim Broschieren wird zusätzlich zu den Kettfäden ein Broschierfaden verwendet, meist aus Gold, Silber oder farbiger Seide.
Dieser Faden liegt sichtbar über dem Gewebe und bildet das Muster.
Broschierte Borten waren besonders im Früh- und Hochmittelalter beliebt und zierten liturgische Gewänder und repräsentative Kleidung.


Alle diese Techniken zeigen, wie vielseitig das Brettchenweben ist – von der schlichten Köperborte bis zum aufwändig broschierten Band mit Glanz und Struktur.
Und doch beruhen sie alle auf demselben einfachen, aber genialen Prinzip: Drehung, Faden, Rhythmus.