Bänder mit Geschichte
Das Brettchenweben gehört zu den anspruchsvolleren Textiltechniken und hat mich von Anfang an fasziniert.
Kennengelernt habe ich es vor vielen Jahren im Rahmen meiner Arbeit auf der Zeiteninsel, als ich die Archäotechnikerin Sylvia Grumbach für einen Kurs gewinnen konnte.
Sie gab dort in den folgenden Jahren regelmäßig Workshops zum historischen Brettchenweben – und aus dieser Zusammenarbeit entstand nicht nur eine wertvolle Freundschaft, sondern auch meine Leidenschaft für diese besondere Technik.

In ihren Kursen lernten wir die Grundlagen: wie man Fäden aufzieht, Muster entwickelt und ein Gefühl für den Rhythmus und die Struktur des Webens bekommt.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kurs – ich war völlig fasziniert, wie aus ein paar gedrehten Fäden ein klares, geometrisches Muster entsteht.
Bis ich wirklich verstanden habe, was ich da tue, dauerte es allerdings mehrere Kurse.
Das Brettchenweben ist ein Handwerk, das Geduld, Genauigkeit und Vorstellungskraft erfordert – und man lernt dabei nie aus.
Nach Sylvias Tod musste ich mich auf eigene Füße stellen – und genau das war der Moment, in dem ich anfing, mein Wissen weiterzugeben.
Heute gebe ich Workshops zum Brettchenweben, meist als Einsteigerkurse, in denen ich die Grundlagen der Technik erkläre und die Begeisterung für dieses Handwerk weitergeben möchte.
Besonders am Herzen liegt mir die Körpertechnik – eine Webtechnik, die bereits aus der Eisenzeit bekannt ist.

Ich habe von Sylvia nicht nur viel gelernt, sondern auch einen ihrer Webstühle geerbt.
Er steht heute bei mir zu Hause – und jedes Mal, wenn ich daran arbeite, fühlt es sich an, als würde ein Stück ihrer Ruhe, Geduld und Leidenschaft weiterleben.
In gewisser Weise weben wir immer noch gemeinsam.
Das Brettchenweben war in der Eisenzeit eine hochentwickelte Kunst.
Archäologische Funde aus Gräbern und Salzbergwerken zeigen aufwändig gewebte Borten, die Mäntel oder Decken zierten – ein Luxusprodukt, das sicher nicht alltäglich war.
Die ältesten Brettchen stammen aus Spanien, und viele bekannte Muster datieren in die Eisenzeit. Später, im Mittelalter, wurde die Technik weiterentwickelt: In Klöstern entstanden Borten mit Gold- und Silberfäden, im Wikingerraum wiederum kräftige, kontrastreiche Muster mit ganz eigener Ästhetik.

Brettchenweben verbindet für mich Handwerk, Geschichte und Kreativität.
Es ist faszinierend zu erleben, wie durch die Drehung kleiner Holzplättchen und den Wechsel der Fadenrichtungen Muster entstehen, die seit Jahrtausenden die Menschen begeistern.








