Ein Wochenende voller Muster, Geschichte und neuer Herausforderungen
Auch im Jahr 2019 fand wieder ein Workshop zum historischen Brettchenweben mit Sylvia Crumbach statt, die uns bereits zuvor in die faszinierende Welt der textilen Archäotechnik eingeführt hatte. Insgesamt sechs Teilnehmerinnen stellten sich der Herausforderung, in nur zwei Tagen sowohl die Grundlagen als auch weiterführende Techniken zu erlernen. Wie immer brachte Sylvia nicht nur enormes Fachwissen, sondern auch eine große Ruhe und Begeisterung mit.
Einführung in historische Textilien – rar, bruchstückhaft und voller Hinweise
Zu Beginn gab Sylvia einen Überblick über erhaltene Brettchengewebe aus Mooren, Wüsten und Salzbergwerken. Sie erklärte, wie selten und fragil diese Stücke sind und dass viele ohne klaren Kontext überliefert wurden.
Besonders eindrücklich waren Beispiele:
- Brettchenborten aus Kirchenschätzen wie St. Severin,
- Fragmente aus der Wikingerzeit, darunter Funde aus Oseberg,
- und historische Borten, deren Herstellungstechniken heute über experimentelle Rekonstruktion entschlüsselt werden.
Wie immer verband Sylvia archäologische Fakten mit persönlichen Einblicken — ein Teil ihres besonderen Charmes als Dozentin.
Vom Musterbrief zur Köpertechnik
Nach der Einführung präsentierte Sylvia verschiedene Brettchen, Webrahmen und eine Auswahl an Borten, die sie mitgebracht hatte. Der Schwerpunkt des Workshops lag auch diesmal klar auf der Köpertechnik, einer vielseitigen und historisch belegten Webart, bei der diagonale Linien entstehen.
Der erste Tag wurde dem Schreiben von Musterbriefen gewidmet.
Mit Hilfe eines kleinen Musterkärtchens imitierten wir die Drehbewegungen der Brettchen, um festzulegen, wann welche Karte vorwärts oder rückwärts gedreht werden muss.
Es war eine Herausforderung – aber eine, die uns allen großen Spaß machte.
Ein besonderes Highlight: Alvastra 1327
Für diesen Workshop nutzten wir den Fund einer Brettchenborte aus Alvastra (Schweden) als Vorlage.
Von der historischen Borte sind rund 80 cm erhalten; sie stammt aus dem Jahr 1327 und besteht im Original aus Seide und Leinen, mit Goldlahn broschiert.
Eine beeindruckende Vorlage – und eine große Inspiration für uns.
Der zweite Tag – vom Aufziehen zum Weben
Am Sonntag gingen wir frisch ans Werk. Nachdem jede ihre Farben ausgewählt hatte, lernten wir den endlosen Aufzug, bei dem die Fäden durch alle Brettchen gleichzeitig gezogen werden. Anschließend richteten wir die Webstühle ein und begannen, unsere Muster in die Realität zu übertragen.
Bald entstand eine konzentrierte, fast meditative Ruhe – nur unterbrochen von gelegentlichen Hilferufen, wenn ein Brettchen verrutscht war oder sich ein Muster ungewollt verzogen hatte.
Mit Sylvias routiniertem Blick waren die meisten Fehler jedoch schnell gefunden.
Ein erster Einblick ins Broschieren
Eine Teilnehmerin wagte sich zusätzlich an das Broschieren:
Ein einfarbig gewebtes Band wird dabei durch einen zusätzlichen Faden verziert, der das Muster bildet.
Auch hier unterstützte Sylvia geduldig und zeigte verschiedene Varianten des Einlegens.
Fazit
Nach zwei intensiven Tagen hielten alle ein eigenes Stück Brettchenborte in den Händen — jede anders, jede mit ihren eigenen kleinen Erfolgen und Lernmomenten.
Es war ein kreatives, inspirierendes Wochenende, das neugierig auf mehr machte.
Und eines wurde allen klar:
Beim Brettchenweben lernt man nie aus.
Und mit Sylvia erst recht nicht.




