Hier dokumentiere ich Workshops, Kurse und Treffen rund ums Brettchenweben, an denen ich teilnehme oder die ich mitgestalte. Es geht um Austausch, Lernen, Begegnungen und Inspiration – die menschliche und handwerkliche Seite des Webens. Fotos, Eindrücke, kleine Geschichten und das, was ich aus diesen Tagen mitgenommen habe.
2015 – Brettchenweben erste Begegnung mit Flottierung
(Platzhalter bis der Artikel fertig ist.) → Blogartikel folgt
2016 – Workshop Brettchenweben -die Vögelchen
(Platzhalter bis der Artikel fertig ist.) → Blogartikel folgt
2018 – Brettchenweben in Kehna
Ein tiefgehender Kurs mit Fokus auf Köpertechnik, Musterbriefe und historische Hintergründe. → Zum Blogartikel: Brettchenweben 2018
2019 – Brettchenweben 2019 – letzter Kurs mit Sylvia
Auch 2019 fand wieder ein Kurs mit Sylvia Crumbach statt. Obwohl sie bereits erkrankt war, wollte sie trotzdem ihr Wissen weitergeben. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass dies unser letzter gemeinsamer Kurs sein würde. → Zum Blogartikel: Brettchenweben 2019
Weitere Workshops & Kurse
2020 – WS Brettchenweben
(Platzhalter – Artikel folgt.)
2022 – WS Brettchenweben
(Platzhalter – Artikel folgt.)
Veranstaltungen
2025 – Brettchenwebertreffen Essen
Auch in diesem Jahr haben sich die Brettchenweber-Enthusiasten im Unperfekthaus in Essen zu einem gemeinsamen Tag mit Austausch, Weben und Schwätzchen getroffen. → Zum Blogartikel: Brettchenwebertreffen 2025 (folgt)
2024 – Brettchenwebertreffen Essen
2022 – Wochenende Eisenzeit Fulda
Im Rahmen des Keltenjahres in Hessen habe ich mit einem Stand zum Thema Brettchenweben ein Aktionswochende des Vonderau-Museums verstärkt. Hier geht es zum Blogartikel
2025 – Aktionstag Eisenzeit Zeiteninsel
Hinweis
Die Veranstaltungsseite wächst mit jedem neuen Artikel und bildet nach und nach meine textile Entwicklung ab. Sobald die Blogartikel fertiggestellt sind, verlinke ich sie direkt hier – für eine vollständige Übersicht und als Inspiration für alle, die sich ebenfalls für Brettchenweben interessieren.
Zum Brettchenweben braucht es nur wenige Dinge – aber jedes Werkzeug erfüllt eine wichtige Aufgabe. Viele der historischen Geräte sind einfach aufgebaut, und gerade das macht ihren Reiz aus.
Der Webstuhl
Für das Brettchenweben wurden in der Vorgeschichte keine speziellen Webstühle gefunden. Erst mit dem Oseberg-Fund aus der Wikingerzeit änderte sich das. Es gibt Funde von Rollen und Hölzern aus Italien, die interpretiert werden als kleiner Gewichtswebstuhl. (Hier ein Modell von Brigitte Puhl)
Denkbar ist das Befestigen der Kette an einem Punkt und dann am eigenen Gürtel oder zwischen zwei Pfosten.
Es gibt Abbildungen zu Webstühlen aus dem Mittelalter.
Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten:
kleine, transportable Tischgestelle,
selbstgebaute Spannrahmen,
oder ein Gewichtswebrahmen, der im musealen Kontext genutzt werden kann
Moderner Webrahmen zum Brettchenweben
Brettchen
Die Brettchen sind das Herzstück der Technik. Sie können aus Holz, Leder, Knochen, Horn oder Karton bestehen – Hauptsache, die Kanten sind glatt und abgerundet, damit sich die Fäden beim Drehen nicht durchscheuern (Spielkarten sind sehr beliebt). Am gebräuchlichsten sind quadratische Brettchen mit vier Löchern, die eine gute Kontrolle und vielfältige Muster ermöglichen.
Fäden & Materialien
Für die Kette verwende ich je nach Projekt Wolle, Leinen oder Seide. Historisch wurde auch mit Pferdehaar oder Pflanzenfasern gearbeitet. Gefärbt wurde mit Naturfarben – etwa Krapp oder Kermeslaus für Rot, Waid für Blau und Reseda für Gelb. Es gibt zum einen die Möglichkeit eine einfache Kette, bestehend aus vielen gleich langen Fäden, die jeweils an den Enden zusammengeknotet werden, zu verwenden – oder die sogenannte Endloskette. Diese natürlichen Farbtöne wirken bis heute warm und lebendig.
Der Schussfaden dient dazu, die Kettfäden zu verbinden. Er bleibt meist unsichtbar, verleiht dem Band aber seine Stabilität.
Werkzeuge & Hilfsmittel
Webschiffchen: zum Anschlagen des Schussfadens
Nadel: für Broschierungen
Lineal und kariertes Papier: für Musterentwürfe (Webbriefe)
Magnettafel oder Markierungen: um den Arbeitsfortschritt im Muster zu halten
Häkelnadel oder dünner Stab: zum Einfädeln der Fäden in die Brettchenlöcher
Eisstiele oder Holzstäbchen: zur Stabilisierung am Anfang des Webstücks
Man kann vieles davon selbst herstellen oder improvisieren – das macht diese Technik so zugänglich und lebendig.
Das Arbeiten mit einfachen Mitteln ist Teil des Charmes dieser alten Handwerkskunst. Mit Geduld, Konzentration und etwas Übung entsteht aus einem Bündel Fäden ein Stück Textilgeschichte, das zugleich modern und zeitlos wirkt.
Auf dieser Seite sammle ich historische Hintergründe zum Brettchenweben: Woher kommt die Technik? In welchen Kulturen wurde sie genutzt? Welche Funde sind besonders interessant? Ich gebe einen Überblick über verschiedene Epochen und zeige, wie sich Stil, Muster und Materialien im Laufe der Zeit verändert haben – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sondern als verständlicher Überblick aus archäologischer Sicht.
Früheste Hinweise (Kupferzeit – Bronzezeit)
Die ältesten möglichen Indizien stammen aus der Kupferzeit der iberischen Halbinsel: kleine quadratische Kärtchen aus Keramik mit Durchbohrungen. Ein weiteres frühes Brettchen aus Knochen wurde im Kreis Göttingen gefunden (Frühe Bronzezeit). Einzelfunde solcher gelochten Plättchen müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden – sie können auch zum Herstellen von Kordeln oder Seilen genutzt worden sein.
Mit Beginn der frühen Eisenzeit häufen sich dann Brettchenfunde in Italien, Spanien, Deutschland, Dänemark, Polen, England und Litauen. Auch textile Fragmente treten häufiger auf. Ein herausragendes Beispiel ist der Fundort El Cigarralejo in Spanien, wo fünf hölzerne Brettchen zusammen mit einer gewebten Anfangskante gefunden wurden (400–375 v. Chr.).
Zeichnung aus Hundt, El Cigarralejo, S. 192 Abb. 5
Sichere Belege für das eigentliche Brettchenweben existieren ab dem 10. Jh. v. Chr. aus der Villanova-Kultur Italiens. Griechische und römische Kontexte dagegen liefern bislang keine Nachweise – vermutlich gelangte die Technik aus dem etruskisch-keltischen Raum nördlich der Alpen.
Eisenzeit – Hallstatt- und Latènekultur
Aus der Hallstattzeit (Ha D1/D2) kennen wir zahlreiche Textilfragmente aus reich ausgestatteten Gräbern und aus Salzbergwerken. Besonders hervorzuheben ist das berühmte Fürstengrab von Hochdorf/Enz, analysiert von Hans-Jürgen Hundt und Johanna Banck-Burgess. Dort fanden sich farbenprächtige, technisch äußerst anspruchsvolle Brettchengewebe.
Typische Merkmale dieser Zeit:
geometrische Musterzonen
Swastiken, Mäanderrauten, -kreuze
Abschlusskanten, die angenäht oder angewebt wurden
überwiegend Köpertechnik, oft mehrfarbig
teilweise ausgelassene Löcher (nicht alle Brettchen vollständig gefädelt)
in Hochdorf zusätzliche Schling- und Broschierfäden
Materialien: extrem fein versponnene Wolle, Pflanzenfasern, Pferdehaar
Berühmt ist z. B. die Ärmelborte vom Dürrnberg, ein Musterbeispiel für eisenzeitliche Brettchenweberei.
Muster aus dem Salzbergwerk in HallstattHalltex 186
Germanen der Römischen Kaiserzeit
Aus Moorfunden Norddeutschlands sind zahlreiche schlichte bis prunkvolle Borten erhalten. Herausragend sind die sogenannten „Prachtmäntel“.
Der Thorsberger Mantel (3. Jh. n. Chr.)
rechteckiger Mantel: 168 × 263 cm
alle vier Kanten mit Brettchengewebe eingefasst
Seitenborten bis zu 17,8 cm breit, gewebt mit 178 Brettchen
extrem feines Garn (0,2–0,3 mm)
vollständige Verbindung von Stoff und Borte durch Verbindung der Kett-/Schussfäden
Herstellungszeit laut Karl Schlabow: ca. ein Jahr für zwei Weberinnen
Ähnlich beeindruckend ist der Mantel aus dem Vehnemoor. Andere Mäntel dieser Epoche besitzen schmalere Borten mit bis zu 27 Brettchen.
Spätantike bis Mittelalter
In Wikingergräbern (z. B. Birka, Mammen, Snartemo) wurden komplexe Brettchengewebe gefunden – mit Köpertechniken, Flottierung und Broschierfäden.
Einzigartig ist der Fund aus Oseberg (Norwegen): Eine vollständig aufgezogene Brettchenkette mit 52 Brettchen – der einzige vollständige Fund seiner Art weltweit.
Aufgezogenes Band mit 52 Brettchen aus dem Osebergschiffsgrab 1904. Foto: O. Væring. KHM, UiO.
Frühmittelalter
Mit dem Aufkommen neuer Handelswege gelangt Seide in großen Mengen nach Europa. Brettchenweberinnen kombinieren sie nun mit:
Leinen
Gold- und Silberlahn
Broschiertechnik als Musterfadenführung
Klöster und Stifte fertigen kostbare Borten für liturgische Gewänder.
Spätmittelalter
Ab dem 13./14. Jh. werden die Bänder zunehmend schlichter. Die Köpertechnik bleibt wegen ihrer Stabilität beliebt.
Ein besonders wertvoller Beleg ist der Codex Palatinus Germanicus 551 (ca. 1460) mit 325 Musteranleitungen, wahrscheinlich von Nonnen für die textile Ausbildung junger Frauen niedergeschrieben.
Von der Industrialisierung zum Vergessen
Mit dem Aufkommen neuer Webtechniken im Spätmittelalter und der frühen Industrialisierung verliert das Brettchenweben in Mitteleuropa an Bedeutung. Außerhalb Europas – und möglicherweise in Teilen Skandinaviens – blieb die Technik bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch.
Wiederentdeckung im 19. und 20. Jahrhundert
Der Begriff „Brettchenweben“ stammt von Margarethe Lehmann-Filhés, die Ende des 19. Jahrhunderts erstmals darüber veröffentlichte. Bei Forschungen in Island fand sie ein unvollendetes Webstück mit originalen Holzbrettchen im Museum in Kopenhagen – und prägte daraufhin den deutschen Begriff.
Im 20. Jahrhundert folgten zwei große Revivals:
1930/40er Jahre: Schulunterricht & Volkskunde
1970er Jahre: Hobby- und Handarbeitsliteratur, Musterbücher
Museen, Rekonstruktionsprojekte (z. B. Lejre in Dänemark), Märkte und Mittelalterfeste machten die Technik wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. In der Forschung gewann Brettchenweben u. a. durch das NESAT-Symposium neue Bedeutung.
Heutige Bedeutung
Heute ist Brettchenweben eine lebendige Technik:
in Museen
in der experimentellen Archäologie
in der Reenactmentszene
in der Textilforschung
in Handarbeitskursen und Hobbygruppen
Viele traditionelle Muster werden rekonstruiert, erforscht oder weiterentwickelt – oft in enger Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Webenden.
Im Laufe der Zeit haben sich beim Brettchenweben verschiedene Techniken entwickelt, die sich vor allem darin unterscheiden, wie die Brettchen aufgezogen und gedreht werden. Das Grundprinzip bleibt jedoch immer gleich: Durch die Drehung der Brettchen entsteht ein Fach, durch das der Schussfaden geführt wird – und so wächst das Band, Faden für Faden.
Hier stelle ich einige der historisch belegten Techniken vor, mit denen auch heute noch gearbeitet wird.
Köpertechnik
Diese Technik spielte besonders in der Eisenzeit eine große Rolle. Auf Englisch wird sie „3/1 broken twill“ genannt. Die Brettchen werden zweifarbig bezogen – am besten mit kontrastierenden Farben – und alle in eine Richtung gestellt. Für die Musterung eignet sich eine ungrade Zahl an Brettchen gut. Durch die Drehung entstehen diagonale Linien im Gewebe, ähnlich wie bei einem gewebten Köperstoff. In der Köpertechnik lassen sich sowohl einfache Streifen als auch komplexe geometrische Muster gestalten.
Hallstattborte
Historische Borten, die man mit dieser Technik gewebt hat, gibt es aus Hallstatt, Evebo, Maaseik, Mammen, Arlon und vielen anderen Orten.
Flottierungstechnik
Die englische Bezeichnung für diese Technik heißt „Snartemo„, nach einer bekannten Borte. Hier bleiben bestimmte Kettfäden für mehrere Drehungen „oben“ und flottieren über dem Gewebe – daher der Name. So entstehen dreifarbige oder vierfarbige, oft sehr plastische Muster. Bekannte Beispiele stammen aus frühmittelalterlichen Funden, etwa aus Snartemo, Köln oder Chelles.
Flottierendes Muster von Sylvia Crumbach
Ausgelassener Einzug (3-Loch-Technik)
Die englische Bezeichnung lautet „Missing Hole„. Bei dieser Technik bleibt ein Loch jedes Brettchens leer. Dadurch wirkt das Band leicht erhaben und zeigt eine fast dreidimensionale Struktur. Die Technik wurde unter anderem in Hochdorf und im nordischen Raum angewandt – ihre lebendige Textur macht sie bis heute besonders reizvoll.
Stippengewebe (2-Loch-Technik)
Hier werden nur zwei Löcher eines Brettchens mit Fäden bezogen. Durch den Wechsel von S- und Z-Stellung entsteht das charakteristische „Stippen“- oder „Pebble“-Muster, das an kleine Körnchen erinnert. Es ergibt ein sehr feines, dichtes Gewebe und war in vielen Regionen Europas verbreitet.
Broschieren
Auf Englisch „brocading“ genannt. Beim Broschieren wird zusätzlich zu den Kettfäden ein Broschierfaden verwendet, meist aus Gold, Silber oder farbiger Seide. Dieser Faden liegt sichtbar über dem Gewebe und bildet das Muster. Broschierte Borten waren besonders im Früh- und Hochmittelalter beliebt und zierten liturgische Gewänder und repräsentative Kleidung.
Alle diese Techniken zeigen, wie vielseitig das Brettchenweben ist – von der schlichten Köperborte bis zum aufwändig broschierten Band mit Glanz und Struktur. Und doch beruhen sie alle auf demselben einfachen, aber genialen Prinzip: Drehung, Faden, Rhythmus.
Das Brettchenweben ist eine spezielle Form des Webens. Dabei werden die Fäden durch kleine, gelochte Kärtchen – die sogenannten Brettchen – geführt. Diese Brettchen werden beim Weben auf ihren Kanten stehend gedreht, wodurch sich die Fäden umeinander winden und ein Fach entsteht, durch das der Schussfaden geführt wird.
So entsteht ein besonders stabiles, dichtes und zugleich dekoratives Gewebe, das sich durch seine feinen Muster und Farbspiele auszeichnet. Je nach Stellung der Brettchen und Farbanordnung der Fäden entstehen ganz unterschiedliche Strukturen: von einfachen diagonalen Linien bis hin zu komplexen geometrischen Ornamenten.
Die Brettchen können verschiedene Formen haben – meist quadratisch, manchmal aber auch rund, sechseckig oder dreieckig – und sind mit zwei bis acht Löchern versehen. Schon kleine Veränderungen beim Einziehen der Fäden oder in der Drehrichtung bewirken ein neues Muster.
Das Faszinierende daran ist: Diese Technik ist gleichzeitig einfach und hochkomplex. Man kann mit wenigen Brettchen schmale, klare Bänder weben oder mit vielen Brettchen kunstvolle Borten herstellen, die Kleidungsstücke zierten oder als Zierbänder und Gurte dienten.
In meinen eigenen Kursen arbeite ich meist mit der klassischen Form – vier Löcher pro Brettchen, aus Holz oder stabiler Pappe –, weil sie die Grundprinzipien am besten vermittelt und sich leicht handhaben lässt.