Schwingenkorb

Der Schwingenkorb ist ein wunderbares Einstiegsprojekt für das Korbflechten. Er wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich – ohne klassischen Korbbogen, dafür mit zwei ineinanderliegenden Reifen – ist aber genau deshalb ideal für Anfängerinnen und Anfänger. Durch seine stabile Grundform und die überschaubare Technik gelingt er fast immer schon beim ersten Versuch.


Was ist ein Schwingenkorb?

Ein Schwingenkorb besteht aus zwei Rippenreifen, die ineinanderliegen.

  • Der äußere Reifen bildet später die Korbform und den Rand.
  • Der innere Reifen dient als Henkel und stabilisierendes Element.

1. Zwei Reifen wickeln

Für den Start werden zwei Reifen aus biegsamen Ruten gewickelt.
Wichtig ist, dass sie aufeinander abgestimmt sind, also gut ineinanderpassen.

  • Der größere Reif wird der Korbrand,
  • der kleinere der Henkel.

2. Die Verbindung – Gottesauge oder einfache Bindung

Die zwei Reifen werden an ihrer Kreuzungsstelle verbunden.
Das kann auf zwei Arten geschehen:

Gottesauge

Eine traditionelle, stabile Verbindungstechnik.
Für die Herstellung hat Andreas Spira ein anschauliches Video gedreht.

Einfache Bindung

Für den Anfang völlig ausreichend: zwei kräftige Ruten werden um die Kreuzungsstelle gelegt und fest umwickelt.

Diese Verbindung wird an beiden Seiten ausgeführt – so entsteht die Grundform des Korbes.

3. Staken setzen

An den entstandenen Öffnungen lassen sich nun die Staken einstecken.
Sie werden später die Seitenwände und den Boden bilden.

Achte darauf, sie gleichmäßig und symmetrisch anzuordnen – das erleichtert das spätere Flechten erheblich.


4. Das eigentliche Flechten

Jetzt beginnt das Weben um die Staken herum.
Am besten arbeitest du abwechselnd auf beiden Seiten, damit der Korb gleichmäßig zur Mitte hin wächst.


5. Unregelmäßigkeiten ausgleichen – der „Keil“

Wenn der Korb leicht schief wird, ist das kein Problem.
Mit einem kleinen Trick lässt sich das korrigieren: dem Keil.

Dabei webst du an einer Stelle nicht komplett herum, sondern drehst früher um.
So füllst du gezielt eine Seite auf und bringst die Form wieder ins Gleichgewicht.


6. Die letzten Zentimeter

Zum Ende hin wird es etwas enger:
In der Mitte bleibt nur noch wenig Platz für die Hände.
Mit etwas Geduld lässt sich aber auch dieser Bereich sauber ausflechten.


7. Abschließen und Versäubern

Zum Schluss werden die überstehenden Enden sorgfältig versäubert:

  • kürzen,
  • einschlagen,
  • sauber einflechten – ganz nach persönlichem Stil.
  • Dann ist dein Schwingenkorb fertig!

Fazit

Der Schwingenkorb ist eine einfache, aber äußerst schöne Korbform, die schnell Erfolgserlebnisse bringt. Er eignet sich hervorragend für Einsteigerinnen und Einsteiger und kann später in unterschiedlichen Größen und Varianten geflochten werden.

Korbflechten bei der VHS Marburg-Biedenkopf

Bericht über den letzten Kurs im Dezember 2025.

Techniken des Brettchenwebens

Im Laufe der Zeit haben sich beim Brettchenweben verschiedene Techniken entwickelt, die sich vor allem darin unterscheiden, wie die Brettchen aufgezogen und gedreht werden.
Das Grundprinzip bleibt jedoch immer gleich: Durch die Drehung der Brettchen entsteht ein Fach, durch das der Schussfaden geführt wird – und so wächst das Band, Faden für Faden.

Hier stelle ich einige der historisch belegten Techniken vor, mit denen auch heute noch gearbeitet wird.


Köpertechnik

Diese Technik spielte besonders in der Eisenzeit eine große Rolle. Auf Englisch wird sie „3/1 broken twill“ genannt.
Die Brettchen werden zweifarbig bezogen – am besten mit kontrastierenden Farben – und alle in eine Richtung gestellt. Für die Musterung eignet sich eine ungrade Zahl an Brettchen gut. Durch die Drehung entstehen diagonale Linien im Gewebe, ähnlich wie bei einem gewebten Köperstoff.
In der Köpertechnik lassen sich sowohl einfache Streifen als auch komplexe geometrische Muster gestalten.

Hallstattborte

Historische Borten, die man mit dieser Technik gewebt hat, gibt es aus Hallstatt, Evebo, Maaseik, Mammen, Arlon und vielen anderen Orten.


Flottierungstechnik

Die englische Bezeichnung für diese Technik heißt „Snartemo„, nach einer bekannten Borte. Hier bleiben bestimmte Kettfäden für mehrere Drehungen „oben“ und flottieren über dem Gewebe – daher der Name.
So entstehen dreifarbige oder vierfarbige, oft sehr plastische Muster.
Bekannte Beispiele stammen aus frühmittelalterlichen Funden, etwa aus Snartemo, Köln oder Chelles.

Flottierendes Muster von Sylvia Crumbach

Ausgelassener Einzug (3-Loch-Technik)

Die englische Bezeichnung lautet „Missing Hole„. Bei dieser Technik bleibt ein Loch jedes Brettchens leer.
Dadurch wirkt das Band leicht erhaben und zeigt eine fast dreidimensionale Struktur.
Die Technik wurde unter anderem in Hochdorf und im nordischen Raum angewandt – ihre lebendige Textur macht sie bis heute besonders reizvoll.


Stippengewebe (2-Loch-Technik)

Hier werden nur zwei Löcher eines Brettchens mit Fäden bezogen.
Durch den Wechsel von S- und Z-Stellung entsteht das charakteristische „Stippen“- oder „Pebble“-Muster, das an kleine Körnchen erinnert.
Es ergibt ein sehr feines, dichtes Gewebe und war in vielen Regionen Europas verbreitet.


Broschieren

Auf Englisch „brocading“ genannt. Beim Broschieren wird zusätzlich zu den Kettfäden ein Broschierfaden verwendet, meist aus Gold, Silber oder farbiger Seide.
Dieser Faden liegt sichtbar über dem Gewebe und bildet das Muster.
Broschierte Borten waren besonders im Früh- und Hochmittelalter beliebt und zierten liturgische Gewänder und repräsentative Kleidung.


Alle diese Techniken zeigen, wie vielseitig das Brettchenweben ist – von der schlichten Köperborte bis zum aufwändig broschierten Band mit Glanz und Struktur.
Und doch beruhen sie alle auf demselben einfachen, aber genialen Prinzip: Drehung, Faden, Rhythmus.

Definition & Grundlagen

Das Brettchenweben ist eine spezielle Form des Webens.
Dabei werden die Fäden durch kleine, gelochte Kärtchen – die sogenannten Brettchen – geführt. Diese Brettchen werden beim Weben auf ihren Kanten stehend gedreht, wodurch sich die Fäden umeinander winden und ein Fach entsteht, durch das der Schussfaden geführt wird.

So entsteht ein besonders stabiles, dichtes und zugleich dekoratives Gewebe, das sich durch seine feinen Muster und Farbspiele auszeichnet.
Je nach Stellung der Brettchen und Farbanordnung der Fäden entstehen ganz unterschiedliche Strukturen: von einfachen diagonalen Linien bis hin zu komplexen geometrischen Ornamenten.

Die Brettchen können verschiedene Formen haben – meist quadratisch, manchmal aber auch rund, sechseckig oder dreieckig – und sind mit zwei bis acht Löchern versehen.
Schon kleine Veränderungen beim Einziehen der Fäden oder in der Drehrichtung bewirken ein neues Muster.

Das Faszinierende daran ist: Diese Technik ist gleichzeitig einfach und hochkomplex.
Man kann mit wenigen Brettchen schmale, klare Bänder weben oder mit vielen Brettchen kunstvolle Borten herstellen, die Kleidungsstücke zierten oder als Zierbänder und Gurte dienten.

In meinen eigenen Kursen arbeite ich meist mit der klassischen Form – vier Löcher pro Brettchen, aus Holz oder stabiler Pappe –, weil sie die Grundprinzipien am besten vermittelt und sich leicht handhaben lässt.

Brettchenweben

Bänder mit Geschichte

Das Brettchenweben gehört zu den anspruchsvolleren Textiltechniken und hat mich von Anfang an fasziniert.
Kennengelernt habe ich es vor vielen Jahren im Rahmen meiner Arbeit auf der Zeiteninsel, als ich die Archäotechnikerin Sylvia Grumbach für einen Kurs gewinnen konnte.
Sie gab dort in den folgenden Jahren regelmäßig Workshops zum historischen Brettchenweben – und aus dieser Zusammenarbeit entstand nicht nur eine wertvolle Freundschaft, sondern auch meine Leidenschaft für diese besondere Technik.

In ihren Kursen lernten wir die Grundlagen: wie man Fäden aufzieht, Muster entwickelt und ein Gefühl für den Rhythmus und die Struktur des Webens bekommt.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kurs – ich war völlig fasziniert, wie aus ein paar gedrehten Fäden ein klares, geometrisches Muster entsteht.
Bis ich wirklich verstanden habe, was ich da tue, dauerte es allerdings mehrere Kurse.
Das Brettchenweben ist ein Handwerk, das Geduld, Genauigkeit und Vorstellungskraft erfordert – und man lernt dabei nie aus.

Nach Sylvias Tod musste ich mich auf eigene Füße stellen – und genau das war der Moment, in dem ich anfing, mein Wissen weiterzugeben.
Heute gebe ich Workshops zum Brettchenweben, meist als Einsteigerkurse, in denen ich die Grundlagen der Technik erkläre und die Begeisterung für dieses Handwerk weitergeben möchte.
Besonders am Herzen liegt mir die Körpertechnik – eine Webtechnik, die bereits aus der Eisenzeit bekannt ist.

Ich habe von Sylvia nicht nur viel gelernt, sondern auch einen ihrer Webstühle geerbt.
Er steht heute bei mir zu Hause – und jedes Mal, wenn ich daran arbeite, fühlt es sich an, als würde ein Stück ihrer Ruhe, Geduld und Leidenschaft weiterleben.
In gewisser Weise weben wir immer noch gemeinsam.

Das Brettchenweben war in der Eisenzeit eine hochentwickelte Kunst.
Archäologische Funde aus Gräbern und Salzbergwerken zeigen aufwändig gewebte Borten, die Mäntel oder Decken zierten – ein Luxusprodukt, das sicher nicht alltäglich war.
Die ältesten Brettchen stammen aus Spanien, und viele bekannte Muster datieren in die Eisenzeit. Später, im Mittelalter, wurde die Technik weiterentwickelt: In Klöstern entstanden Borten mit Gold- und Silberfäden, im Wikingerraum wiederum kräftige, kontrastreiche Muster mit ganz eigener Ästhetik.

Brettchenweben verbindet für mich Handwerk, Geschichte und Kreativität.
Es ist faszinierend zu erleben, wie durch die Drehung kleiner Holzplättchen und den Wechsel der Fadenrichtungen Muster entstehen, die seit Jahrtausenden die Menschen begeistern.

Definition und Grundlagen
Geschichte
Techniken
Materialien & Ausrüstung
Veranstaltungen- Workshops
aktuelle Webprojekte
Rekonstruktion und Verständnis
Meine gewebten Bänder
Literatur & Bezugsquellen

Textil

Fäden, Fasern und Farben

Das Arbeiten mit Textilien begleitet mich schon seit vielen Jahren – und kaum ein Bereich ist so vielfältig wie dieser.
Vom Spinnen und Färben über das Weben und Brettchenweben bis hin zum Arbeiten mit Naturmaterialien wie Lindenbast oder Gräsern: jedes einzelne Stück erzählt eine Geschichte von Geduld, Rhythmus und Handwerk.

Mich fasziniert der Weg vom Rohmaterial zum fertigen Gewebe – vom lockeren Faden, der sich unter den Fingern dreht, bis zu den ersten gewebten Zentimetern auf dem Brettchen- oder Webrahmen. Dabei interessieren mich nicht nur historische Techniken, sondern auch das Verständnis für die Materialien selbst: wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, wie sie reagieren, wenn man sie bearbeitet.

Oft arbeite ich mit Naturfasern, die ich selbst sammle oder vorbereite – Lindenbast, Gräser, Wolle, Pflanzenfasern.
Manchmal färbe ich mit natürlichen Farbstoffen, manchmal lasse ich die Fasern in ihrem ursprünglichen Ton.
Jedes Projekt ist anders – und immer ist da dieses Staunen darüber, was aus scheinbar einfachen Materialien entstehen kann.

Auf den folgenden Seiten zeige ich verschiedene Bereiche meiner Textilarbeit:
das Brettchenweben, das mich seit Jahren begleitet,
das Spinnen und Färben mit natürlichen Materialien,
und das Korbwickeln, bei dem Faden und Form auf besondere Weise zusammenfinden.

Textilarbeit ist für mich weit mehr als Handwerk – es ist ein Dialog mit den Materialien, ein Stück gelebte Geschichte und ein wunderbarer Ausgleich zum modernen Alltag.

Alte Technik, klare Muster – jedes Band erzählt seine eigene Geschichte
Vom Schaf zur Wolle, wie ich Fäden entstehen lasse
Arbeiten mit Gräsern und Bast – naturverbunden und meditativ
Farbe – was uns die Natur gibt
Materialien aus der Umgebung: gesammelt, verarbeitet, geflochten
vom Handwebrahmen bis zum Gewichtswebstuhl – Textilarchäologie praktisch erlebt