Definition & Grundlagen

Das Brettchenweben ist eine spezielle Form des Webens.
Dabei werden die Fäden durch kleine, gelochte Kärtchen – die sogenannten Brettchen – geführt. Diese Brettchen werden beim Weben auf ihren Kanten stehend gedreht, wodurch sich die Fäden umeinander winden und ein Fach entsteht, durch das der Schussfaden geführt wird.

So entsteht ein besonders stabiles, dichtes und zugleich dekoratives Gewebe, das sich durch seine feinen Muster und Farbspiele auszeichnet.
Je nach Stellung der Brettchen und Farbanordnung der Fäden entstehen ganz unterschiedliche Strukturen: von einfachen diagonalen Linien bis hin zu komplexen geometrischen Ornamenten.

Die Brettchen können verschiedene Formen haben – meist quadratisch, manchmal aber auch rund, sechseckig oder dreieckig – und sind mit zwei bis acht Löchern versehen.
Schon kleine Veränderungen beim Einziehen der Fäden oder in der Drehrichtung bewirken ein neues Muster.

Das Faszinierende daran ist: Diese Technik ist gleichzeitig einfach und hochkomplex.
Man kann mit wenigen Brettchen schmale, klare Bänder weben oder mit vielen Brettchen kunstvolle Borten herstellen, die Kleidungsstücke zierten oder als Zierbänder und Gurte dienten.

In meinen eigenen Kursen arbeite ich meist mit der klassischen Form – vier Löcher pro Brettchen, aus Holz oder stabiler Pappe –, weil sie die Grundprinzipien am besten vermittelt und sich leicht handhaben lässt.

Brettchenweben

Bänder mit Geschichte

Das Brettchenweben gehört zu den anspruchsvolleren Textiltechniken und hat mich von Anfang an fasziniert.
Kennengelernt habe ich es vor vielen Jahren im Rahmen meiner Arbeit auf der Zeiteninsel, als ich die Archäotechnikerin Sylvia Grumbach für einen Kurs gewinnen konnte.
Sie gab dort in den folgenden Jahren regelmäßig Workshops zum historischen Brettchenweben – und aus dieser Zusammenarbeit entstand nicht nur eine wertvolle Freundschaft, sondern auch meine Leidenschaft für diese besondere Technik.

In ihren Kursen lernten wir die Grundlagen: wie man Fäden aufzieht, Muster entwickelt und ein Gefühl für den Rhythmus und die Struktur des Webens bekommt.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kurs – ich war völlig fasziniert, wie aus ein paar gedrehten Fäden ein klares, geometrisches Muster entsteht.
Bis ich wirklich verstanden habe, was ich da tue, dauerte es allerdings mehrere Kurse.
Das Brettchenweben ist ein Handwerk, das Geduld, Genauigkeit und Vorstellungskraft erfordert – und man lernt dabei nie aus.

Nach Sylvias Tod musste ich mich auf eigene Füße stellen – und genau das war der Moment, in dem ich anfing, mein Wissen weiterzugeben.
Heute gebe ich Workshops zum Brettchenweben, meist als Einsteigerkurse, in denen ich die Grundlagen der Technik erkläre und die Begeisterung für dieses Handwerk weitergeben möchte.
Besonders am Herzen liegt mir die Körpertechnik – eine Webtechnik, die bereits aus der Eisenzeit bekannt ist.

Ich habe von Sylvia nicht nur viel gelernt, sondern auch einen ihrer Webstühle geerbt.
Er steht heute bei mir zu Hause – und jedes Mal, wenn ich daran arbeite, fühlt es sich an, als würde ein Stück ihrer Ruhe, Geduld und Leidenschaft weiterleben.
In gewisser Weise weben wir immer noch gemeinsam.

Das Brettchenweben war in der Eisenzeit eine hochentwickelte Kunst.
Archäologische Funde aus Gräbern und Salzbergwerken zeigen aufwändig gewebte Borten, die Mäntel oder Decken zierten – ein Luxusprodukt, das sicher nicht alltäglich war.
Die ältesten Brettchen stammen aus Spanien, und viele bekannte Muster datieren in die Eisenzeit. Später, im Mittelalter, wurde die Technik weiterentwickelt: In Klöstern entstanden Borten mit Gold- und Silberfäden, im Wikingerraum wiederum kräftige, kontrastreiche Muster mit ganz eigener Ästhetik.

Brettchenweben verbindet für mich Handwerk, Geschichte und Kreativität.
Es ist faszinierend zu erleben, wie durch die Drehung kleiner Holzplättchen und den Wechsel der Fadenrichtungen Muster entstehen, die seit Jahrtausenden die Menschen begeistern.

Definition und Grundlagen
Geschichte
Techniken
Materialien & Ausrüstung
Veranstaltungen- Workshops
aktuelle Webprojekte
Rekonstruktion und Verständnis
Meine gewebten Bänder
Literatur & Bezugsquellen

Textil

Fäden, Fasern und Farben

Das Arbeiten mit Textilien begleitet mich schon seit vielen Jahren – und kaum ein Bereich ist so vielfältig wie dieser.
Vom Spinnen und Färben über das Weben und Brettchenweben bis hin zum Arbeiten mit Naturmaterialien wie Lindenbast oder Gräsern: jedes einzelne Stück erzählt eine Geschichte von Geduld, Rhythmus und Handwerk.

Mich fasziniert der Weg vom Rohmaterial zum fertigen Gewebe – vom lockeren Faden, der sich unter den Fingern dreht, bis zu den ersten gewebten Zentimetern auf dem Brettchen- oder Webrahmen. Dabei interessieren mich nicht nur historische Techniken, sondern auch das Verständnis für die Materialien selbst: wie sie sich anfühlen, wie sie riechen, wie sie reagieren, wenn man sie bearbeitet.

Oft arbeite ich mit Naturfasern, die ich selbst sammle oder vorbereite – Lindenbast, Gräser, Wolle, Pflanzenfasern.
Manchmal färbe ich mit natürlichen Farbstoffen, manchmal lasse ich die Fasern in ihrem ursprünglichen Ton.
Jedes Projekt ist anders – und immer ist da dieses Staunen darüber, was aus scheinbar einfachen Materialien entstehen kann.

Auf den folgenden Seiten zeige ich verschiedene Bereiche meiner Textilarbeit:
das Brettchenweben, das mich seit Jahren begleitet,
das Spinnen und Färben mit natürlichen Materialien,
und das Korbwickeln, bei dem Faden und Form auf besondere Weise zusammenfinden.

Textilarbeit ist für mich weit mehr als Handwerk – es ist ein Dialog mit den Materialien, ein Stück gelebte Geschichte und ein wunderbarer Ausgleich zum modernen Alltag.

Alte Technik, klare Muster – jedes Band erzählt seine eigene Geschichte
Vom Schaf zur Wolle, wie ich Fäden entstehen lasse
Arbeiten mit Gräsern und Bast – naturverbunden und meditativ
Farbe – was uns die Natur gibt
Materialien aus der Umgebung: gesammelt, verarbeitet, geflochten
vom Handwebrahmen bis zum Gewichtswebstuhl – Textilarchäologie praktisch erlebt

Korbflechten

Geduld, Technik und Freude am Material

Das Korbflechten begleitet mich nun schon viele Jahre.
Angefangen hat alles auf der Zeiteninsel, als ich den erfahrenen Korbflechter Andreas Spira für einen Workshop gewinnen konnte. Andreas arbeitet im Hessenpark und gibt dort seit vielen Jahren sein Wissen weiter – und zu meiner großen Freude sagte er zu, auch auf der Zeiteninsel einen Kurs anzubieten.

Der Workshop war von Anfang an ein voller Erfolg und jedes Mal restlos ausgebucht. Ich selbst habe an jedem einzelnen Kurs teilgenommen – und war sofort begeistert.
Mein erster Korb entstand noch unter seiner geduldigen Anleitung. Es war anstrengend, meine Hände taten weh, aber das Gefühl, am Ende ein fertiges Stück in den Händen zu halten, das man selbst geschaffen hat – das war einfach großartig.

Mit der Zeit habe ich immer weiter geübt, ausprobiert, verschiedene Techniken gelernt und selbst angefangen zu flechten. Weide findet man schließlich fast überall, und mit etwas Übung lernt man, welche Ruten sich am besten eignen.

Aus der anfänglichen Neugier wurde eine Leidenschaft – und irgendwann kam der Moment, an dem ich mein Wissen selbst weitergeben wollte.
Heute gebe ich Kurse zum Korbflechten bei der VHS Marburg-Biedenkopf, erzähle dabei von meinen Erfahrungen auf der Zeiteninsel und freue mich, wenn andere genauso „angefixt“ sind wie ich damals nach meinem ersten Korb.

Korbflechten bedeutet für mich: Geduld, Rhythmus, Natur und Handwerk in Reinform.
Jeder Korb ist ein kleines Unikat – und jedes Mal spüre ich wieder dieses besondere Gefühl, wenn aus einem Bündel Zweige etwas Eigenes, Haltbares, Schönes entsteht.

Schwingenkorb
Glossar & Werkzeuge

Archäotechnik

Altes Wissen neu entdeckt

Handwerk, Geschichte und Neugier – das sind die drei Dinge, die mich seit Jahren begleiten, wenn ich mich mit Archäotechnik beschäftige.

Seit etwa 2010 spielt sie in meinem Leben eine große Rolle. Angefangen hat alles auf der Zeiteninsel, wo ich in der Eisenzeitstation mitarbeite und altes Handwerk ausprobiere: töpfern, weben, spinnen, färben, flechten, formen, bauen. Mich begeistert die Frage, wie Dinge früher hergestellt wurden – und was man daraus heute noch lernen kann.

Vom Experiment zur Leidenschaft

Mit der Zeit wurde Archäotechnik für mich weit mehr als ein Museumsprojekt. Ich probiere vieles auch zu Hause oder unterwegs aus, einfach, weil es mich interessiert. Manche Techniken faszinieren mich nachhaltig – etwa Keramik oder Korbflechten – andere habe ich ausprobiert, um sie zu verstehen, und dann wieder loszulassen.

Es geht mir nicht darum, perfekt zu werden, sondern ums Verstehen und Erleben: Materialien fühlen, Arbeitsweisen nachvollziehen, Zusammenhänge erkennen.

Zwischen Zeiteninsel und Alltag

Die Zeiteninsel ist für mich ein wichtiger Ort, an dem ich altes Wissen im prähistorischen Kontext ausprobieren kann. Aber Archäotechnik begleitet mich längst auch im Alltag – auf Reisen, auf meinem Hof oder im Garten.

Oft nehme ich mir Projekte einfach mit: ein paar Brettchen, ein Stück Ton, Naturfasern. Und immer ist da diese Neugier, noch etwas Neues zu lernen, etwas zu verbessern oder zu verstehen.

Warum Archäotechnik?

Weil sie Geschichte lebendig macht.
Weil sie Geduld lehrt.
Und weil sie das Gefühl schenkt, mit den Händen etwas Echtes zu schaffen.

Keramik – vom Ton zur Form – Gefäße und Techniken der Vorgeschichte erleben.
Korbflechten – mit Weiden, Geduld und Handwerk zu lebendiger Tradition
Textil – Spinnen, Förben, Weben – alte Techniken neu entdeckt
Korbwickeln – mit Nadel und Naturmaterialien Körbe formen wie in der Steinzeit