Der Grubenbrand zählt zu den ältesten bekannten Brennverfahren für Keramik. Dabei werden die Gefäße nicht in einem geschlossenen Ofen, sondern direkt in einer flachen Erdgrube gebrannt – inmitten von Holz, Glut und Asche. Die Temperatur ist schwer zu kontrollieren, doch gerade diese Unberechenbarkeit verleiht jedem Stück seinen ganz eigenen Charakter.
Zunächst wird die Grube mit Holz ausgelegt und angezündet. Sobald die Glut entsteht, werden die vorgewärmten Gefäße hineingestellt, von allen Seiten mit Brennmaterial umgeben und schließlich mit Erde abgedeckt. Während des Brandes verändert sich die Sauerstoffzufuhr ständig – dadurch entstehen unterschiedliche Färbungen: von hellem Beige über rötliche Töne bis hin zu tiefem Schwarz.
Mich fasziniert am Grubenbrand, dass er so direkt ist. Man spürt das Feuer, das Material, den Wind – alles spielt zusammen. Trotz der einfachen Mittel lassen sich erstaunlich haltbare und dichte Gefäße erzielen, wenn die Vorbereitung und das Timing stimmen. Es ist eine Technik, die Geduld verlangt, aber mit lebendigen, einzigartigen Ergebnissen belohnt.
Der Grubenbrand verbindet auf besondere Weise Erfahrung, Zufall und Naturkräfte – ein Stück archäologisches Handwerk in seiner ursprünglichsten Form.
Während in der Vorgeschichte viele Gefäße im offenen Feuer oder in Gruben gebrannt wurden, entwickelte sich mit der Zeit eine immer ausgefeiltere Brenntechnik: der Ofenbrand. Dabei wird die Hitze gezielt gesteuert – durch Bauform, Luftzufuhr und die Platzierung des Brennmaterials.
Bei archäologischen Ausgrabungen am Rand des heutigen Geländes der Zeiteninsel wurden Reste eines eisenzeitlichen Keramikofens entdeckt. Dieser Fund diente als Grundlage für eine Rekonstruktion in der Keramikstation, die unter Anleitung der Archäotechnikerin Susanne Günter entstand.
Ich hatte die Gelegenheit, während eines Kurses ein Gefäß in diesem rekonstruierten Ofen brennen zu lassen – und war überrascht, wie effizient dieser Ofentyp arbeitet: Die Temperatur lässt sich erstaunlich gut kontrollieren, die Wärme verteilt sich gleichmäßig, und die Ergebnisse zeigen eine dichte, stabile Oberfläche mit kräftigen Farben.
Der Ofenbrand war damit ein entscheidender Schritt in der Entwicklung der Keramiktechnologie. Er steht für den Übergang von einfachen Feuerstellen hin zu kontrollierten Brennprozessen – eine Kunst, die nicht nur technisches Wissen, sondern auch viel Erfahrung mit Feuer, Luft und Material erfordert.
Anfeuern im nachgebauten Keramikofen auf der Zeiteninsel
Lochplatte aus der Eisenzeit ausgestellt im Kelten-Römer-Museum Manching
Die Ritzverzierung zählt zu den ältesten Dekortechniken überhaupt. Mit einem spitzen Werkzeug werden Linien, Punkte oder Muster in die noch lederharte Oberfläche des Tons eingeritzt oder gedrückt. So entstehen klare Konturen, die beim Brand erhalten bleiben und die Form des Gefäßes betonen.
Ich arbeite mit einfachen Werkzeugen – Holzstäbchen, Knochenspitzen oder abgebrochenen Tonscherben. Je nach Druck, Winkel und Tempo entstehen feine, fließende Linien oder kräftige, tiefe Rillen. Manchmal folgt das Muster der Gefäßform, manchmal steht es bewusst im Kontrast dazu.
In der Vorgeschichte war das Einritzen von Ornamenten weit verbreitet. Vor allem in der Bandkeramik und der Rössener Kultur wurden Gefäße mit geometrischen Mustern versehen – Zickzacklinien, Spiralen, Wellenbänder oder Punktreihen –, die bis heute eine erstaunliche Ausdruckskraft besitzen.
Mich begeistert an dieser Technik, dass sie so unmittelbar ist: Die Linie entsteht direkt unter der Hand, ohne Zwischenschritt, ohne Korrektur. Sie ist Bewegung in Ton gebannt – ein kleines Stück Rhythmus, das sichtbar bleibt, selbst nach Jahrtausenden.
Ritzverzierung auf lederhartem Ton – die feinen Linien entstehen mit einem Knochenwerkzeug
Txpische Linienverzierung der Bandkeramik aus der Steinzeit
Abdrucktechniken gehören zu den ältesten Formen der Gefäßverzierung. Sie leben vom unmittelbaren Kontakt zwischen Material und Oberfläche: Ein Gegenstand wird in den noch feuchten Ton gedrückt und hinterlässt seine Spur – manchmal zart, manchmal kräftig, immer einzigartig.
Ich verwende für diese Arbeit gern Naturmaterialien, die sich im Alltag oder in der Umgebung finden lassen: Muscheln, Pflanzenteile, Ähren, Seile oder kleine Knöchelchen. Jedes dieser Materialien erzeugt seine ganz eigene Struktur – von feinen Linien über flächige Muster bis zu tiefen Abdrucken.
In der Vorgeschichte waren Abdrucktechniken weit verbreitet, oft in Kombination mit Ritzverzierungen oder Bemalung. Die Menschen griffen zu denselben Mitteln, die auch mir heute zur Verfügung stehen – einfache, handliche Werkzeuge aus der Natur.
Mich fasziniert an dieser Arbeit, dass sie spontan und gleichzeitig kontrolliert ist: Man weiß nie ganz genau, wie sich der Abdruck im Brand später zeigen wird. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht den besonderen Reiz aus – jedes Gefäß trägt Spuren eines Augenblicks, der nicht wiederholbar ist.
Viele meiner Arbeiten entstehen im engen Bezug zu archäologischen Funden. Mich fasziniert, wie sorgfältig und kunstvoll Menschen schon in der Vorgeschichte mit Ton umgegangen sind – ganz gleich, ob als Alltagsgefäß, Grabbeigabe oder Ausdruck von Symbolik und Identität.
Ich lasse mich vor allem von den Gefäßen der Bandkeramik und der Rössener Kultur inspirieren. Ihre klaren Formen und die kunstvollen Muster, die oft durch Ritzungen oder Inkrustierungen betont werden, wirken auf mich zeitlos modern. Auch die Keramik der Eisenzeit hat mein Herz erobert – ihre Formen sind kräftiger, die Oberflächen lebendiger, und sie erzählen auf ihre Weise vom Wandel des Handwerks durch die Jahrhunderte.
Wann immer es möglich ist, besuche ich Museen und Sammlungen, um mir Originalfunde aus der Nähe anzusehen. Der direkte Blick auf ein Gefäß, das vor Tausenden von Jahren geformt wurde, ist für mich unersetzlich. Dabei geht es mir weniger um exakte Rekonstruktion, sondern um das Verständnis für Material, Formgefühl und Ausdruck. Jede Scherbe, jede Verzierung, jede Unregelmäßigkeit ist für mich ein kleines Stück Geschichte – und zugleich eine Quelle der Inspiration für neue Arbeiten.
In meiner Arbeit verbinde ich diese Eindrücke mit Ansätzen der experimentellen Archäologie: Durch das Nachvollziehen alter Techniken, Brennverfahren und Dekore entsteht ein praktisches Verständnis für die handwerklichen Prozesse vergangener Zeiten. So werden die archäologischen Funde nicht nur bewundert, sondern im Tun wieder lebendig – jedes Gefäß eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Keramik aus dem Archäologischen Museum Straßburg
Eisenzeitliche Keramik im Keltenmuseum Glauberg
Gefäß der Bandkeramik aus dem Museum in Herxheim
Viele dieser Eindrücke von vorgeschichtlicher Keramik sammle ich auf Reisen oder bei Ausflügen zu archäologischen Museen, deren Sammlungen Geschichte greifbar machen. Einige davon möchte ich hier vorstellen – als kleine Auswahl von Orten, die ich empfehlen kann und selbst schon besucht habe.
🗿 Keltenwelt am Glauberg Museum und archäologischer Park rund um die keltische Fürstengrabstätte – faszinierend durch die Verbindung von Forschung und Landschaft.
🏺 Archäologisches Museum Frankfurt Archäologie mitten in der Stadt – von den frühesten Siedlungen über römisches Nida bis ins Mittelalter.
🧱 Hessisches Landesmuseum Darmstadt Kunst, Kultur und Archäologie unter einem Dach – beeindruckende Präsentationen von der Altsteinzeit bis in die Neuzeit.
🪶 MAMUZ Mistelbach & Asparn/Zaya (AT) Zentrum für Urgeschichte und experimentelle Archäologie – mit Ausstellungen, Freigelände und praktischen Workshops.
🧭 Museum Amöneburg Spannende Funde von Steinzeit über Eisenzeit zum Mittelalter aus dem Amöneburger Becken bei Marburg