Aufbaukeramik

Vom Tonklumpen zum Gefäß

Beim Handaufbau entsteht Keramik ohne Drehscheibe – allein durch die Hände, Geduld und Erfahrung.
Ich arbeite ausschließlich mit dieser Technik, weil sie den unmittelbaren Kontakt zum Material bewahrt und jedes Stück zu einem echten Unikat macht.

Zunächst wird der Ton gut durchgeknetet, damit keine Luftblasen bleiben und die Masse gleichmäßig formbar ist.
Dann werden Tonwürste – längliche Stränge aus gleichmäßigem Material – spiralförmig übereinandergesetzt.
Jede neue Lage wird mit den Fingern oder einem Werkzeug sorgfältig verstrichen, bis eine gleichmäßige Wandung entsteht.
So wächst das Gefäß langsam, Schicht für Schicht, in die Höhe.

Eine weitere, einfache Technik ist die Daumenschalen-Methode:
Aus einer kleinen Tonkugel wird mit dem Daumen eine Mulde gedrückt, die nach und nach erweitert und geglättet wird.
Auf diese Weise entstehen kleine Schalen oder Becher – jede Form leicht unterschiedlich, immer individuell.

Das Drehen auf der Töpferscheibe kam in unserer Region erst mit den Römern auf und war zuvor nicht verbreitet.
Der Handaufbau steht damit in der Tradition der vorgeschichtlichen Gefäßherstellung, bei der Gefühl, Rhythmus und Nähe zum Material wichtiger sind als Perfektion oder Geschwindigkeit.

In diesem Videoschnipsel sieht man das in Form bringen „paddeln“ mit einem flachen Holzlöffel.

Polieren und Glätten

Polieren und Glätten – Glanz ohne Glasur

Bevor eine Keramik gebrannt wird, kann ihre Oberfläche durch Glätten oder Polieren veredelt werden.
Ich arbeite dabei mit einfachen Mitteln – einem glatten Kieselstein, einem Knochenstück oder einem harten Holzstab.
Durch gleichmäßiges Reiben wird die lederharte Oberfläche verdichtet, bis sie einen feinen, fast seidig wirkenden Glanz erhält.

Dieser Glanz entsteht nicht durch eine Beschichtung, sondern allein durch die Verdichtung der Tonpartikel.
Die Oberfläche wird dichter, die Poren schließen sich, und das Gefäß nimmt nach dem Brand eine tiefe, warme Farbwirkung an – je nach Ton und Brennatmosphäre hell, rötlich oder dunkel schattiert.

Das Polieren war schon in vorgeschichtlicher Zeit weit verbreitet, weil es den Gefäßen nicht nur ästhetische Schönheit, sondern auch praktische Haltbarkeit verlieh. Gefäße werden dadurch dicht, um Flüssigkeiten aufzubewahren.
Ich schätze diese Arbeitsschritte besonders, weil sie Geduld erfordern und jedes Gefäß dabei seine ganz eigene Oberfläche entwickelt – eine, die den Rhythmus und die Hand derjenigen widerspiegelt, die sie gefertigt hat.

Bemalen

Bemalen und Farbgestaltung – Farbe aus Erde, Feuer und Fantasie

Die Bemalung einer Keramik ist mehr als Dekor – sie verbindet Handwerk, Materialkenntnis und Sinn für Gestaltung.
Ich arbeite mit natürlichen Farbtönen, die sich aus dem Ton selbst, aus Engoben oder aus mineralischen Beimischungen ergeben.
Je nach Zusammensetzung entstehen warme Rottöne, kühle Graunuancen oder beinahe schwarze Oberflächen.

Schon in vorgeschichtlicher Zeit wurden Gefäße mit einfachen Pigmenten oder Tonschlickern bemalt.
Diese wurden auf die lederharte Oberfläche aufgetragen – mit Fingern, Pinseln aus Pflanzenfasern oder kleinen Holzstäbchen – und nach dem Antrocknen geglättet oder poliert.
Beim Brand verbinden sich Farbe und Oberfläche untrennbar miteinander und ergeben ein dauerhaftes, mattes oder leicht glänzendes Bild.

Ich experimentiere gern mit unterschiedlichen Tonfarben und Schlickern, um die Natürlichkeit des Materials zu betonen.
Das Spiel zwischen hellen und dunklen Flächen, zwischen matten und glänzenden Partien, macht jedes Stück einzigartig – so entsteht Ausdruck allein durch den Dialog zwischen Erde, Wasser und Feuer.

Techniken und Werkzeuge

Die ältesten Keramiken entstanden ohne Drehscheibe – allein durch die Geschicklichkeit der Hände.
Auch auf der Zeiteninsel wird in dieser traditionellen Technik gearbeitet: Gefäße entstehen aus Tonwürsten, die spiralförmig übereinandergesetzt und anschließend mit den Fingern oder einem glättenden Werkzeug miteinander verstrichen werden.
So wächst ein Gefäß langsam Schicht für Schicht empor – ganz ohne maschinelle Hilfe, nur durch Gefühl und Erfahrung.

Ich arbeite ausschließlich mit dieser Aufbaukeramik-Technik, da sie den handwerklichen Charakter und den unmittelbaren Kontakt zum Material bewahrt.

Eine weitere einfache, aber wirkungsvolle Methode ist das Daumenschalen-Verfahren:
Aus einer kompakten Tonkugel wird mit dem Daumen die Wandung ausgedrückt und in kleinen, gleichmäßigen Bewegungen erweitert. Auf diese Weise entstehen kleine Schalen oder Becher – jede Form ein Unikat, das die Handschrift der Person trägt, die es geformt hat.

Das Drehen auf der Töpferscheibe wurde in der Marburger Region erst mit den Römern eingeführt und blieb lange Zeit unüblich.
Damit steht die Aufbaukeramik ganz in der Tradition der vorgeschichtlichen Gefäßherstellung, bei der Geduld, Gefühl und Rhythmus des Arbeitens im Mittelpunkt stehen.

Werkzeuge – einfache Mittel, große Wirkung

Beim Arbeiten mit Ton braucht es erstaunlich wenig Werkzeug.
Viele meiner Hilfsmittel sind schlicht oder selbst hergestellt – Holzspatel, Knochenspatel, Kieselsteine, Poliersteine oder kleine Tonscherben.
Mit ihnen lassen sich Oberflächen glätten, Kanten formen oder Gefäße in die gewünschte Gestalt bringen.
Auch flache Hölzer helfen dabei, gleichmäßige Wandungen zu erzielen.

Zum Verzieren verwende ich gern Naturmaterialien: kleine Muscheln, Knöchelchen, Pflanzenteile oder auch Strohhalme, mit denen sich feine Linien, Punkte oder Strukturen eindrücken lassen.
Diese einfachen Werkzeuge erzeugen lebendige Muster – jedes anders, jedes einzigartig.

Bei bestimmten Gefäßformen nutze ich Formschalen, um den Ton während des Aufbaus zu stützen.
Damit das Material dabei nicht austrocknet oder anhaftet, lege ich feuchte Tücher dazwischen – eine kleine, aber wirkungsvolle Hilfe, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat.

Ich orientiere mich bei der Auswahl meiner Werkzeuge an archäologischen Vorbildern, kombiniere sie aber mit praktischen Lösungen, die sich für das Arbeiten im Freien oder im Arbeitszimmer bewährt haben.
So bleibt der Charakter des Handwerks sichtbar: Jede Spur, jede Druckstelle erzählt etwas über die Art und Weise, wie das Gefäß entstanden ist.

Ton – der Anfang jeder Keramik

Ton ist ein natürlich vorkommendes, feinkörniges Sediment, das durch die Verwitterung von feldspatreichen Gesteinen entsteht. In Verbindung mit Wasser wird er formbar und bildet die Grundlage für alle keramischen Werkstoffe – von einfachen Vorratsgefäßen bis zu fein polierten Trinkschalen.

Schon in vorgeschichtlicher Zeit wussten Menschen, wo sich geeignete Tonvorkommen finden ließen. Sie suchten nach feuchten Senken, Bachläufen oder Gruben mit einem charakteristischen, fettigen Glanz des Bodens – häufig wurden solche Stellen später als Lehmkaute oder Tonkaute bezeichnet. Diese Flurnamen sind bis heute vielerorts erhalten und verweisen auf alte Abbaustellen.

In der Umgebung der Zeiteninsel finden sich ebenfalls ehemalige Tonkauten, aus denen früher Material gewonnen wurde.
Für meine Keramikkurse an der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf verwenden wir jedoch bereits fertig gemagerten Westerwälder Ton.
Dieser lässt sich in verschiedenen Farbtönen erwerben – von hellbeige über grau bis rötlich – und ist sofort verarbeitungsfähig.
So entfällt für die Teilnehmenden der aufwändige Prozess der Tonaufbereitung, und sie können sich ganz auf das Formen, Verzieren und Brennen konzentrieren.

Ton ist damit weit mehr als nur ein Rohstoff: Er ist das verbindende Element zwischen Erde, Wasser und Feuer – und der Ursprung jeder keramischen Form.

Tonschicht
Ton stechen am See
Trockener Ton am Feldrand