Manche Projekte sind laut, groß und fordernd.
Und dann gibt es diese anderen – leisen Projekte, die wachsen, ohne Druck zu machen.
Meine Temperaturdecke gehört ganz eindeutig zur zweiten Sorte.
Die Idee dahinter ist einfach und gleichzeitig unglaublich vielschichtig:
Ein Jahr wird Masche für Masche sichtbar gemacht.
Was ist eine Temperaturdecke?
Eine Temperaturdecke ist ein Häkel- oder Strickprojekt, das sich über ein ganzes Jahr erstreckt.
Jeder Tag bekommt seinen Platz – in Form von Farbe.
In meinem Fall bedeutet das:
- jeder Tag besteht aus zwei Reihen
- eine Reihe für die Tiefsttemperatur
- eine Reihe für die Höchsttemperatur
- die Farben richten sich nach festgelegten Temperaturbereichen
- kalte Tage bewegen sich in Blau-, Lila- oder Grautönen
- warme Tage wandern Richtung Gelb, Orange oder Rot
Wie fein oder grob diese Abstufungen sind, ist ganz individuell.
Manche arbeiten mit 2-Grad-Schritten, andere mit 3 oder sogar 5 Grad.
Je mehr Farben man nutzen möchte, desto feiner kann man die Skala anlegen.
Mehr als Wetter: Erinnerungen einweben
Für mich ist eine Temperaturdecke nicht nur eine Wetteraufzeichnung.
Sie ist auch ein Jahresbegleiter.
Ich nutze kleine Maschenzähler oder Anhänger, um besondere Tage zu markieren:
- Geburtstage
- wichtige Termine
- schöne Erinnerungen
- manchmal auch stille, nachdenkliche Tage
So entsteht eine Decke, die man später nicht nur anschaut, sondern liest.
Man erkennt nicht immer sofort, warum ein bestimmter Abschnitt besonders ist – aber man weiß es.
Meine Technik: Mosaik-Häkeln
Ich häkle meine Temperaturdecke im Mosaik-Häkeln.
Diese Technik arbeitet mit klaren Linien und grafischen Mustern und eignet sich besonders gut für größere Projekte, die über einen langen Zeitraum wachsen.
Die Muster, die ich verwende, stammen unter anderem von der isländischen Häkeldesignerin Tinna Thorudottir Thorvaldar, deren Arbeiten mich durch ihre Klarheit, ihren Rhythmus und ihre moderne, grafische Sprache sehr ansprechen.
Weitere Muster nutze ich von der britischen Designerin Suraya Hossein, deren Entwürfe sich ebenfalls wunderbar für Mosaik-Häkelarbeiten eignen.
Besonders schön finde ich die Möglichkeit, pro Monat ein eigenes Muster zu verwenden.
Der Januar beginnt bei mir mit einem Zick-Zack-Muster – ruhig, gleichmäßig, fast meditativ.
So bekommt jeder Monat seinen eigenen Charakter, ohne dass die Decke ihre Gesamtwirkung verliert.
Ein Projekt ohne Überforderung
Was ich an der Temperaturdecke besonders liebe:
Sie überfordert nicht.
- jeden Abend nur eine oder zwei Reihen
- kein Aufholen von verpassten Tagen
- kein schlechtes Gewissen, wenn es mal spät wird
- ein kleines, stilles Ritual
Man setzt sich hin, schaut auf den Tag zurück, greift zur passenden Farbe –
und das Jahr wächst ganz von selbst.
Temperaturdecken als Geschenkidee
Viele Menschen häkeln oder stricken Temperaturdecken nicht für das aktuelle Jahr, sondern für ein Geburtsjahr. Online lassen sich historische Wetterdaten für viele Regionen abrufen, sodass man genau nachvollziehen kann, wie warm oder kalt es damals war.
Eine Temperaturdecke als Geschenk ist:
- sehr persönlich
- einzigartig
- voller Zeit und Aufmerksamkeit
Ein Jahr in Wolle – das ist etwas ganz Besonderes.
Mein Fazit
Meine Temperaturdecke ist kein Projekt für Perfektion.
Sie ist ein Projekt für Achtsamkeit.
Sie zeigt mir:
- dass jeder Tag zählt
- dass selbst unscheinbare Tage Teil eines großen Ganzen sind
- und dass Kreativität manchmal genau dort entsteht, wo man sich Zeit lässt
Ich bin gespannt, wie meine Decke am Ende aussehen wird.
Noch mehr freue ich mich aber auf den Weg dorthin – Masche für Masche, Tag für Tag.