Mit der näher rückenden Eröffnung der Zeiteninsel habe ich mir die Frage gestellt, was wir Besucherinnen und Besuchern anbieten können, das über den eigentlichen Museumsbesuch hinausgeht. Etwas, das man mit nach Hause nehmen kann – als Erinnerung, aber auch als Einladung, sich weiter mit dem Gesehenen zu beschäftigen.
Ein Angebot, das von uns kommt, aus der Arbeit heraus entstanden ist und sich sinnvoll in das Gesamtkonzept der Zeiteninsel einfügt.
Relativ schnell kam mir der Gedanke an ein Malbuch.
Warum ein Malbuch?
Malen ist für mich keine reine Beschäftigung. Es bedeutet, genau hinzuschauen, Formen zu erkennen, Details wahrzunehmen und sich mit dem Dargestellten auseinanderzusetzen. Gerade für Kinder – aber nicht nur für sie – kann ein Malbuch ein niedrigschwelliger Zugang zu (prä)historischen Themen sein.
Ein Bild auszumalen heißt auch, sich Zeit zu nehmen. Und Zeit ist etwas, das im Museum oft knapp ist.
Ein Malbuch schien mir deshalb eine schöne Möglichkeit zu sein, den Besuch auf der Zeiteninsel zu verlängern – über den Moment hinaus. Man kann es mitnehmen, später noch einmal in die Hand nehmen, darüber sprechen, Fragen stellen oder sich erinnern.
Inspiration – und der Wunsch, es anders zu machen
Natürlich gibt es in anderen Freilichtmuseen bereits Malbücher, und auch ich habe eines zuhause. Sie waren für mich eine Inspiration, aber gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich für die Zeiteninsel einen etwas anderen Ansatz verfolgen möchte.
Mir war wichtig, kein reines „Kinder-Malbuch“ zu machen, sondern eines, das unterschiedliche Altersstufen anspricht. Einfachere Motive für jüngere Kinder, detailreichere Szenen für ältere – ohne das strikt zu trennen. Und vor allem: ein Malbuch, das alle Zeitstationen berücksichtigt und nicht nur einzelne Highlights zeigt.
Das Konzept: Zeitstationen, Alltag und Vielfalt
Für jede Zeitstation habe ich mir vorgenommen, mindestens fünf Motive zu entwickeln. Diese sollen unterschiedliche Lebensbereiche zeigen: Alltag, Arbeit, Tiere, besondere Situationen. Ziel ist es, ein möglichst vielfältiges Bild des Lebens in den jeweiligen Epochen zu vermitteln.
Unter jedem Bild soll ein kurzer Satz stehen, der in kindgerechter Sprache erklärt, was zu sehen ist. Kein langer Text, keine Belehrung – eher eine kleine Orientierungshilfe. Ein Satz, der beschreibt, was dargestellt ist, und vielleicht Lust macht, genauer hinzuschauen oder nachzufragen.
Von Fotos zu Kernaussagen
Ausgangspunkt für viele Motive waren Fotos, die bestimmte Kernaussagen der einzelnen Zeitstationen transportieren. Bilder, die etwas Typisches zeigen oder einen wichtigen Aspekt des Lebens verdeutlichen.
Wo es solche Fotos nicht gab, habe ich überlegt, was dennoch unbedingt erzählt werden sollte. Ein Beispiel sind die Ochsen am Pflug: Auf der Zeiteninsel gibt es keine Ochsen, aber sie sind für bestimmte Zeitabschnitte ein wichtiges Bild, um Arbeit, Transport und Landwirtschaft verständlich zu machen. Solche Motive wollte ich trotzdem aufnehmen, auch wenn sie nicht eins zu eins auf dem Gelände zu finden sind.
Vom Foto zur Linie
Die ausgewählten Motive wurden anschließend in einfache, klare Linien übersetzt. Dabei ging es nicht darum, Fotos detailgetreu abzubilden, sondern das Wesentliche herauszuarbeiten: Formen, Handlungen, Zusammenhänge.
Viele Bilder sind in mehreren Schritten entstanden. Gerade bei den ersten Motiven war die Linienführung teilweise noch sehr dicht. Im Laufe des Prozesses hat sich eine klarere Bildsprache entwickelt, und einige der frühen Bilder werden aktuell noch einmal überarbeitet. Diese Reduktion gehört für mich ganz selbstverständlich zum Arbeiten an einem Malbuch dazu – denn die Bilder sollen gut ausmalbar sein und Raum lassen.
Work in progress
Das Malbuch ist derzeit ein work in progress. Die Grundstruktur steht, viele Motive sind bereits ausgearbeitet, andere entstehen noch. Derzeit bitte ich ausgewählte Personen um ihre Einschätzung und arbeite Verbesserungsvorschläge ein.
Für mich ist dieses Projekt ein weiterer Baustein in der Vermittlungsarbeit der Zeiteninsel – und gleichzeitig etwas sehr Persönliches. Es verbindet Archäologie, Gestaltung und die Frage, wie wir Geschichte für unterschiedliche Altersgruppen zugänglich machen können.
Ich bin gespannt, wie sich das Malbuch weiterentwickelt.