Anreise & Atmosphäre
Mein heutiger Tag stand ganz im Zeichen der Archäologie in Hessen. Ich bin nach Weilburg gefahren, einer wunderschön gelegenen Stadt über der Lahn im Landkreis Limburg-Weilburg, um am hessenArchäologietag teilzunehmen.
Die Veranstaltung fand in der Stadthalle Weilburg statt, die sich in der historischen Altstadt oberhalb des Lahntals befindet. Von dort aus konnte man das barocke Schloss mit seiner prachtvollen Gartenanlage zwar nicht direkt sehen – aber es war nur ein kurzer Spaziergang entfernt, und mittags wurden sogar kleine Stadtführungen angeboten.
Der Besucherandrang war groß: Fast alle Stühle waren besetzt, was zeigt, wie groß das Interesse an der Archäologie in Hessen ist. Der diesjährige Schwerpunkt lag auf dem Landkreis Limburg-Weilburg – für mich besonders spannend, weil mein eigener Wirkungskreis im benachbarten Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt.
Vormittagsprogramm
Zum Auftakt gab es einen Überblicksvortrag zur Archäologie im Landkreis Limburg-Weilburg durch alle Zeiten, gehalten vom zuständigen Bezirksarchäologen. Er spannte den Bogen von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter – eine herausfordernde Aufgabe, wie er selbst schmunzelnd anmerkte, da er die Stelle erst vor Kurzem angetreten hatte.
Der zweite Vortrag führte in die Paläontologie: In den Kiesgruben Südhessens wird intensiv nach Spuren eiszeitlicher Fauna geforscht – vom Riesenhirsch bis zum Höhlenlöwen. Die Menge und Vielfalt der Funde ist beeindruckend und zeigt, wie viel noch im Boden bzw. Sand unter unseren Füßen schlummert.
Ich hatte mich besonders auf den Vortrag von Frau Dr. Sosnowski gefreut, die unter anderem neue Ergebnisse zum Dünsberg, einem bedeutenden eisenzeitlichen Fundort, vorstellte.
Im Anschluss daran kamen – zeitlich passend – Römer und Germanen in Südhessen ins Spiel. Hier wurde eine neu untersuchte Fundstelle vorgestellt: ein römischer Friedhof, der verschiedene Grabtypen umfasst. Besonders spannend ist, dass die zugehörige Siedlung bislang noch nicht gefunden werden konnte – ein offenes Rätsel, das sicher noch Stoff für weitere Forschungen bietet.
Ein weiterer Höhepunkt war ein mit viel Humor gehaltener Vortrag über den historischen Bergbau im Lahn-Dill-Gebiet. Der Referent bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als „Hohlraumbeauftragten“, was perfekt passte – schließlich berichtete er über alte Stollen, verschüttete Schächte und moderne Überraschungen im Vorgarten. Dabei wurde deutlich, wie tief die Bergbautradition in dieser Region verwurzelt ist – und wie wenig vielen Menschen bewusst ist, dass sie buchstäblich über alten Gruben wohnen. Manch ein plötzliches Loch im Garten bekommt so eine ganz neue Bedeutung.
Sehr besonders war auch der Bericht über den Fund eines mittelalterlichen Griffels – kunstvoll geschnitzt mit einer Darstellung des Leviathan, der einen Menschen verschlingt. Die symbolische Mahnung war klar: „Schreibe nichts Sündhaftes, sonst verschlingt dich das Böse.“ Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie Alltagsgegenstände moralische Botschaften tragen konnten.
Mittagspause & Begegnungen
In der Mittagspause ging es zum Essen ins Tommy’s – ein kleiner, netter Burgerladen gleich um die Ecke.
Gestärkt konnte ich den Nachmittagsvorträgen mit frischem Elan folgen und viele neue Inspirationen sammeln. Ich habe viele Bekannte und Kolleginnen getroffen, spannende Gespräche geführt und mir natürlich den Jahresband 2024 der hessenArchäologie gekauft – perfekte Abendlektüre nach einem Tag voller Eindrücke.
Heimfahrt im goldenen Licht
Am späten Nachmittag trat ich die Heimfahrt an – begleitet von goldenem Herbstlicht, das die Hügel und Wälder in warme Farben tauchte. Nach einem Tag voller Begegnungen, Wissen und Inspiration war das ein wunderbar ruhiger Ausklang.
So ging ein rundum gelungener Archäologietag zu Ende – mit vielen neuen Ideen, einem Kopf voller Geschichten und der Gewissheit, dass Archäologie in Hessen lebendiger ist denn je.






