Ein Wochenende, das alles verändert hat
Im Herbst 2014 begann für mich etwas, das ich rückblickend als den eigentlichen Startpunkt meiner Liebe zum Brettchenweben sehe: ein Wochenendkurs mit Sylvia Crumbach. Die AG Lebendige Archäologie innerhalb der Zeiteninsel hatte damals die Möglichkeit, zwei Tage intensiv mit ihr zu arbeiten – ein Geschenk, das uns alle geprägt hat.
Sylvia – Fachwissen, Geduld und Begeisterung
Schon damals war Sylvia eine der führenden Expertinnen in der Archäotechnik: freie Mitarbeiterin des Freilichtmuseums Oerlinghausen, spezialisiert auf Textiles, Mitglied im Archäotechnik-Forum Federsee und seit Jahren in Museen und Ausstellungen unterwegs.
Sie verband Wissen, Ruhe und Humor zu einer Mischung, die sofort neugierig machte.
Einführung in Geschichte und Technik
Der Kurs begann theoretisch – und genau das machte ihn so wertvoll.
Sylvia erzählte:
- von frühen Brettchenfunden seit der Bronzezeit,
- von der Entwicklung der Technik über die Jahrhunderte,
- und gab einen Einblick in die Forschungsgeschichte.
Nebenbei zeigte sie Borten aus verschiedenen Zeiten, erklärte Fäden, Materialien und Muster. Es war der perfekte Einstieg, um zu verstehen, warum diese Technik so außergewöhnlich ist.
Zwei Gruppen – zwei Wege ins Brettchenweben
Nach der Einführung teilten wir uns in zwei Gruppen:
- Gruppe 1: Anweben eines Bandes an ein bestehendes Gewebe
- Gruppe 2: Musterweben nach selbst ausgewählten Motiven
Beide Gruppen bestanden aus Anfängern und Fortgeschrittenen – und beide sollten an diesem Wochenende ordentlich gefordert werden. Ich habe mich zunächst der ersten Gruppe angeschlossen.
Die erste Hürde: Kettfäden vorbereiten
Bevor überhaupt gewebt werden konnte, standen Farbe, Länge und Fadenanzahl auf dem Programm.
Wir bereiteten in Zweierteams die Kette für 10–13 Brettchen vor – eine Aufgabe, die mehr Konzentration erforderte, als man erwartet hätte.
Sylvia hatte mehrere Brettchenwebstühle mitgebracht. Wer keinen ergatterte, spannte die Kette einfach an eine Schraubzwinge und nutzte den eigenen Körper als Gegenzug. Improvisation gehörte schon damals dazu – und es funktionierte wunderbar.
Anweben – und wie man um die Ecke webt
Das Anweben an ein bestehendes Gewebe war besonders spannend.
Wir lernten:
- wie man Fransen als Schussfäden nutzt,
- wie man saubere Kanten webt,
- und sogar, wie man um die Ecke webt.
Der Moment, in dem das zum ersten Mal klappte, war für viele ein kleines Highlight.

Musterweben – der Einstieg in die Webbriefe
Die Mustergruppe begann zunächst mit einfachen Mustern, bei denen die Brettchen immer in eine Richtung gedreht werden.
Dann wurde es anspruchsvoller: das Schreiben erster Webbriefe.
Das Zusammenspiel aus Drehrichtung, Fadenlage und Musterlogik war eine kleine Wissenschaft – aber unglaublich faszinierend.
Der zweite Tag – konzentrierte Ruhe
Am Sonntag wollten alle weitermachen. Die „Anweberinnen“ wechselten in die Mustergruppe, andere vertieften ihre Techniken. Der Raum war erfüllt von konzentrierter Stille und gelegentlichem Lachen über falsch gedrehte Brettchen.
Wir merkten schnell:
- Musterweben fordert
- Musterweben fasziniert
- Musterweben macht süchtig
Am Ende dieses Tages hielt jede von uns ein Band mit verschiedenen Mustern in der Hand – und den festen Wunsch, weiterzumachen.




Mein Fazit
Dieser Workshop war nicht nur der Einstieg in eine neue Technik für mich.
Er war der Beginn eines Weges, der mich bis heute begleitet – im Museum, bei meinen Projekten, und in meiner eigenen textilen Arbeit.
Danke, Sylvia
Für deine Geduld.
Für dein enormes Wissen.
Für deinen Humor.
Und dafür, dass du dieser alten Technik neues Leben eingehaucht hast.
Ein Dank geht auch an den St. Elisabeth-Verein, der uns damals unkompliziert die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.