Rückblick und Dank
Als ich die Fotos meines letzten Workshops mit Sylvia Crumbach durchgesehen habe, wurde mir bewusst, wie präsent sie für mich bis heute ist.
Und wie viel sie mir – und vielen anderen – mitgegeben hat.
Sylvia war eine der ersten, die mir die Welt des Brettchenwebens wirklich geöffnet hat. Mit unglaublichem Fachwissen, mit Ruhe, mit Humor und mit einer Geduld, die selten geworden ist.
Ihre Art, textile Techniken zu erklären, war präzise – aber nie schwer.
Fundiert – aber immer warm. Wissenschaftlich – und gleichzeitig zutiefst menschlich.
Sie war der Zeiteninsel viele Jahre verbunden.
Sie bereicherte unsere Veranstaltungen, sie beriet uns, sie brachte Muster, Geräte und textile Schätze mit, die man in ihrer Tiefe erst verstand, wenn man ihr zuhörte.
Noch im Mai war sie bei unserer Veranstaltung zu den Metallzeiten mit einem Stand vertreten – schon gezeichnet von der Krankheit, aber immer noch mit derselben Hingabe. Wie immer hatte sie bei mir übernachtet und wir verbrachten trotz Veranstaltung viel Zeit miteinander.
Bis zuletzt unterstützte sie unser Projekt eines eigenen Gewichtswebstuhls, teilte Quellen, Vergleiche, Erfahrungen.
Dieses großherzige Teilen war typisch für sie.
Es war nie nur „Wissen“.
Es war ein Weitergeben.
Dass der Workshop im März 2019 ihr letzter bei uns sein sollte, wussten wir damals nicht.
Wahrscheinlich wusste sie es selbst.
Und dennoch hat sie gekämpft, gelehrt, gelächelt.
Es war ihr wichtig, weiterzugeben, was sie liebte.
Im Juli fuhr ich in Urlaub und wollte am Ende bei ihr Vorbeischauen – wäre ich besser erst zu ihr gefahren. Im August waren wir dann bei ihrer Trauerfeier..
Viel zu früh.
Und doch war es tröstlich zu sehen, wie viele Menschen sie berührt hatte – als Archäotechnikerin, als Textilspezialistin, als Kollegin, als Freundin.
Ich bin dankbar, dass ich von ihr lernen durfte.
Dankbar für ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Geduld.
Und dafür, dass sie ihre Leidenschaft für historische Textilien mit uns geteilt hat.
Sie fehlt. Oft möchte ich sie um Rat fragen, mich mit ihr austauschen, über den Garten und die Bienen philisophieren oder einfach beisammen sein.
Aber ihre Borten, ihre Handschrift, ihre Sätze („Die Karten werden es dir weisen“) und vieles, was ich heute weben oder erklären kann, tragen ihre Spuren.
Mein herzliches Beileid gilt ihrer Familie.
Und mein ganzer Dank gilt ihr.