🌳 Mythos Wald – Ein Besuch im Gasometer Oberhausen

Während meiner Heimfahrt aus dem Urlaub habe ich begonnen, meine Eindrücke von der Ausstellung Mythos Wald im Gasometer Oberhausen zu durchdenken – und ich merke schon jetzt: Das war ein ganz besonderer Tag.

Den Gasometer kannte ich bisher nur vom Vorbeifahren. Schon von außen ist er ein beeindruckendes Bauwerk – ein Relikt der Industriekultur im Ruhrgebiet. Früher ein riesiger Gasspeicher, heute ein Ort für Kunst und Ausstellungen. Allein dieser Wandel hat mich schon fasziniert.

Ein erster Moment der Ehrfurcht

Gleich zu Beginn hatte ich einen dieser stillen Momente, die sich einprägen.

Ein Foto zeigte eine riesige, uralte Eiche – gewaltig im Umfang, voller Leben, voller Geschichte. Ich stand davor und dachte nur:

Da muss ich hin. Das möchte ich mir in echt anschauen.

Dieser Baum hatte eine Ausstrahlung, die sich kaum beschreiben lässt.
Etwas Zeitloses. Etwas, das einen innehalten lässt. Er steht in England und heißt „Majesty Oak„.


Wälder der Welt

Die Ausstellung führte durch Wälder auf der ganzen Welt:

  • Amazonas-Regenwald
  • Mammutbaumwälder
  • nebelverhangene, fast märchenhafte Landschaften

Dabei ging es nicht nur um die Wälder selbst, sondern auch um das Leben darin – von großen Tieren bis hin zu kleinsten Lebewesen.

Die Fotografien haben mich durchweg beeindruckt – in ihrer Qualität, ihrer Stimmung und ihrer Vielfalt.


Der Klangraum – wenn der Wald spürbar wird

Ein erstes großes Highlight war für mich der Klangraum.

Hier konnte man etwa 15 Minuten lang Waldgeräusche aus verschiedenen Kontinenten hören. Es begann mit heimischen Vogelstimmen – Nachtigall, Kraniche – und führte dann weiter in andere Teile der Welt.

Und dann kam Afrika.

Das Gebrüll der Löwen und die tiefen, rollenden Laute der Elefanten –
das geht direkt in den Bauch. Diese Bässe sind nicht nur hörbar, sondern körperlich spürbar.

Dazu das schrille Kekern der Hyänen.

Ich habe gemerkt, wie ich instinktiv reagiert habe:
Hier habe ich die größte Furcht empfunden.

Wölfe, die heulen, finde ich nicht so bedrohlich.
Aber diese Klangkulisse hat mir sofort gezeigt:

Das ist ein gefährlicher Kontinent.

Und gleichzeitig: unglaublich faszinierend.


Die Schönheit im Kleinen

Und dann war da noch eine ganz andere Welt.

Ein Foto zeigte winzige, fast unwirkliche Gebilde – feine Stängel mit leuchtend blauen Kugeln.
Wie kleine Wesen. Fast wie aus einem Märchen.

Ich konnte kaum glauben, dass das real ist.

Diese Aufnahme hat mir noch einmal gezeigt, dass der Wald nicht nur aus großen Bäumen besteht –
sondern aus unzähligen kleinen Universen, die wir oft gar nicht wahrnehmen.

Eine Schönheit im Kleinsten, die fast größer wirkt als alles andere.


Licht im Dunkel

Ein weiterer Moment hat mich besonders berührt:

Ein einzelner Pilz, scheinbar im Dunkeln stehend – und doch von innen heraus leuchtend.

Ein warmes, sanftes Licht ging von ihm aus.
Still. Unaufdringlich. Und doch voller Präsenz.

Ich habe davor gestanden und einfach nur geschaut.

Es war, als würde der Wald selbst atmen.


Mensch und Wald

Ein Teil der Ausstellung widmete sich auch dem Verhältnis zwischen Mensch und Wald:

  • Völker, die im Regenwald leben
  • Rohstoffe wie Kautschuk oder Kakao
  • Nutzung und Veränderung der Natur

Auch Umweltaspekte wurden aufgegriffen – Brände, Zerstörung, aber auch Regeneration und Neubeginn.

Alles war sehr zugänglich gestaltet, mit wenig Text und vielen eindrucksvollen Bildern – auch für Familien und Kinder gut verständlich.


Das große Finale in der Rotunde

Und dann kam das absolute Highlight:

Die riesige Rotunde des Gasometers.

Dort erhebt sich eine monumentale Lichtinstallation in Form eines Baumes –
von den Wurzeln bis in die Krone.

Und dieser Baum lebt:

  • Nährstoffströme werden sichtbar
  • Jahreszeiten ziehen vorbei
  • Licht verändert sich
  • ein Gewitter entsteht
  • Blitze schlagen ein

Ich konnte mich kaum lösen.

Es war nicht nur beeindruckend – es war fast meditativ.


Der Blick über das Ruhrgebiet

Zum Abschluss ging es – auf sanften Druck meiner Schwester – noch mit dem Aufzug nach oben.

Und es hat sich gelohnt.

Der Blick über das Ruhrgebiet mit seinen Halden und den Spuren des Bergbaus ist beeindruckend.
Hier schließt sich der Kreis zwischen Natur, Geschichte und Industrie.


Mein Fazit

Diese Ausstellung hat mich tief beeindruckt. Gerade auch weil nicht mit erhobenem Zeigefinger auf Probleme wie Klimawandel hingewiesen wurde. Es ging eher um ein Begreifen der Schönheit von Wäldern und ihre Vielfalt.

Sonst bin ich so oft archäologisch unterwegs – und hier wurde einmal ein ganz anderer Zugang gewählt: über Bilder, Klänge und Emotionen.

Ich habe gestaunt.
Über das Große.
Über das Kleine.
Und über all das, was dazwischen liegt.

Ich bin sehr dankbar für diesen Tag – und für die Idee meiner Schwester.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert