Korbflechten in der Eisenzeit

Am vergangenen Wochenende durfte ich Teil einer kleinen, intensiven Arbeitsgruppe sein: Gemeinsam haben wir für die Zeiteninsel Körbe nach archäologischen Funden aus der Eisenzeit gefertigt.

Unsere Gruppe bestand aus vier erfahrenen Korbflechterinnen und wurde von unserem Lehrmeister, Korbflechtmeister Michael Thierschmann, angeleitet. Die entstandenen Körbe gehen in das Inventar der Zeiteninsel ein – ein schönes Gefühl, etwas Bleibendes beizutragen.

Als Grundlage dienten uns Abbildungen von Funden aus La Tène, aus Kirchhain-Niederwald und Riedlingen. Michael hatte diese im Vorfeld genau analysiert und uns eindrücklich gezeigt, wie groß die Unterschiede zwischen eisenzeitlicher und römischer Flechttechnik sind.

Während die römische Flechtweise eher systematisch und klar strukturiert wirkt, arbeiteten die Menschen der Eisenzeit im sogenannten Ganggeflecht – freier, spontaner und weniger streng nach einem festen Schema.

Schon beim Boden zeigte sich dieser Unterschied deutlich: Statt gespaltene Weidenstöcke zu verwenden, wurden Bündel aus vier oder fünf Weidenruten miteinander verflochten und in mehreren Überkreuzungen verbunden. Diese Herangehensweise wirkt zunächst ungewohnt, eröffnet aber eine ganz eigene Dynamik im Flechten.

Über die zwei Tage hinweg haben wir viele kleine Tricks und Kniffe gelernt und vor allem ein Gefühl für diese Technik entwickelt. Besonders spannend wurde es für mich beim Arbeiten am Rand und beim Anbringen der Griffe – beides hatte ich vorher noch nie gemacht.

Für den Rand werden die Rutenbündel gedreht und geschickt untergearbeitet, sodass ein stabiler und zugleich sehr schöner Abschluss entsteht. Ein echtes Highlight war für mich, dass bei den Funden von Riedlingen tatsächlich ein erhaltener Griff nachgewiesen ist. Das hat mir den Mut gegeben, meinen eigenen Korb ebenfalls mit zwei Griffen zu versehen.

Am Ende des Wochenendes hatte ich zwei sehr unterschiedliche Körbe gefertigt: einen flachen Korb mit großem Boden und einen weiteren mit Griffen.

Es war ein intensives, kreatives Wochenende – und ich merke, dass ich nun in der Lage bin, weitere Körbe für die Eisenzeitstation selbstständig herzustellen. An Ostern werde ich gemeinsam mit einer anderen Teilnehmerin weiterflechten, um die einzelnen Arbeitsschritte noch besser zu verinnerlichen.

Mein besonderer Dank gilt Michael, der uns mit viel Geduld und großer Erfahrung angeleitet hat und sein Wissen so großzügig weitergibt.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings:
Die von mir so geliebten Schwingenkörbe gab es in der Eisenzeit noch nicht.

🌿 Körbe wickeln – ein Abend zwischen Steinzeittechnik und Osterideen

Es gibt Techniken, die begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden – leise, unscheinbar und doch unglaublich beständig.
Das Korbwickeln, auch Korbnähen genannt, gehört genau dazu.

Am Freitagabend durfte ich im Rahmen eines Kurses der VHS Marburg-Biedenkopf wieder eine Gruppe Teilnehmender in diese alte Handwerkstechnik einführen. Ein Anfängerkurs, offen für alle – und doch mit einer erstaunlichen Tiefe.


🧶 Eine Technik mit sehr alten Wurzeln

Korbwickeln ist im Grunde nichts anderes als Nähen mit Pflanzenfasern.
Diese Technik ist bereits seit der Steinzeit bekannt und findet sich in vielen Kulturen weltweit.

Sogar aus der Bibel kennen wir ein berühmtes Beispiel:
Das kleine Körbchen, in dem Moses ausgesetzt wurde, soll aus Binsen gefertigt gewesen sein – ein Material, das sich bis heute hervorragend eignet.


🌾 Arbeiten mit Naturmaterialien

Im Kurs haben wir mit verschiedenen Materialien gearbeitet – je nachdem, was zur Verfügung steht oder gesammelt wurde:

  • Binsen – klassisch und vielseitig
  • Birkenzweige (z. B. von Trauer- oder Hängebirken)
  • Lavendel – duftet herrlich und lässt sich gut verarbeiten
  • Gräser und Heu – besonders im Sommer gut nutzbar

Je nach Zustand werden die Materialien frisch verarbeitet oder wieder angefeuchtet, damit sie biegsam bleiben.
Gerade bei Binsen ist es wichtig, fest zu arbeiten (wenn sie frisch geschnitten sind) – ihre luftige Struktur sorgt sonst schnell für zu lockere Gefäße.


🪡 Der Einstieg: die „Schnecke“

Der Anfang ist immer die größte Herausforderung.

Beim Korbwickeln beginnt alles mit einer kleinen, fest gewickelten Spirale – der sogenannten „Schnecke“.
Hier zeigt sich schnell: Diese Technik verlangt ein gutes Zusammenspiel von Händen, Augen und Gefühl.

Sobald diese erste Hürde geschafft ist, entsteht ein angenehmer Rhythmus:

  • Fasern bündeln
  • umwickeln
  • festnähen
  • neue Fasern einlegen

Und plötzlich wächst das Körbchen Runde für Runde.


🧺 Form, Gestaltung und eigene Ideen

Ist der Boden groß genug, beginnt der kreative Teil:

  • Flache Schale oder höheres Gefäß?
  • Gerade Wände oder leicht geschwungen?
  • Materialwechsel für Muster und Farbspiele?

Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Besonders schön:
Viele Teilnehmende kombinieren verschiedene Pflanzen oder Garne – etwa Raffiabast, Kordel oder sogar Wolle – und schaffen so ganz individuelle Stücke.


✨ Der Abschluss: der Rand

Zum Ende hin wird es nochmal spannend.
Der Rand entscheidet über die Wirkung des gesamten Korbes.

Möglichkeiten gibt es viele:

  • schlicht auslaufen lassen
  • eng umwickeln für einen klaren Abschluss
  • dekorative Elemente einarbeiten (z. B. Blüten oder kleine Zapfen)
  • oder den Faden über kreuz führen

Wichtig ist dabei vor allem eines:
Die Höhe sauber treffen, damit der Abschluss gleichmäßig wirkt.


🐣 Kleine Körbe für große Ideen

Da Ostern vor der Tür steht, hatten viele schon konkrete Pläne:

  • Körbchen für Ostereier
  • kleine Nester für Dekoration
  • Geschenke in selbstgemachten Gefäßen

Und genau dafür liebe ich diese Kurse:
Am Ende entsteht nicht nur ein Objekt – sondern etwas ganz Eigenes, mit den eigenen Händen geschaffen.


🌿 Ein Abend, der nachwirkt

Am Ende des Abends gingen alle mit ihren Körbchen nach Hause –
und wahrscheinlich auch mit dem leichten Ziehen in den Fingern, das diese Arbeit so typisch macht.

Aber vor allem mit dem Gefühl:
Ich habe etwas gelernt, das Menschen schon vor tausenden Jahren konnten.

Und vielleicht ist genau das das Schönste daran.

Symposium zur experimentellen Archäologie am Glauberg

Auf der Rückfahrt vom Symposium zur experimentellen Archäologie und Archäotechnik der Keltenwelt am Glauberg, kreisen mir noch viele Gedanken durch den Kopf. Solche Tage sind immer besonders inspirierend – nicht nur wegen der Vorträge, sondern vor allem wegen der Gespräche und Begegnungen in den Pausen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen verschiedene Arbeitsgruppen zur experimentellen Archäologie und Archäotechnik. Der Glauberg ist dabei auf der Suche nach Menschen, die sich vernetzen und aktiv in solchen Gruppen mitarbeiten möchten – etwa in den Bereichen Eisen, Textil, Kampf oder Ernährung.

Was ist experimentelle Archäologie?

Den Einführungsvortrag hielt Thomas Lessig-Weller. Besonders gut gefallen hat mir seine klare Beschreibung dessen, was experimentelle Archäologie eigentlich ausmacht.

Ein entscheidender Punkt ist dabei die Nachvollziehbarkeit und Messbarkeit von Experimenten. Es geht eben nicht darum, einfach etwas auszuprobieren oder „irgendwie historisch zu arbeiten“, sondern darum, Fragestellungen systematisch zu untersuchen und Ergebnisse so zu dokumentieren, dass sie überprüfbar sind.

Sehr hilfreich fand ich auch die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen Experimenten und sogenannten „weichen Experimenten“.
Letztere entstehen oft aus Neugier oder praktischer Erfahrung heraus: Man probiert etwas aus, beobachtet und lernt daraus. Auch solche Versuche können wichtige Hinweise liefern – selbst wenn sie nicht den strengen Kriterien eines wissenschaftlichen Experiments entsprechen.

Arbeitsgruppe Ernährung

Mit der entstehenden Arbeitsgruppe Ernährung bin ich bereits im Vorfeld vernetzt über Christoph Röder. In der Mittagspause hatten wir Gelegenheit, ausführlicher über unsere Herangehensweisen zu sprechen.

Sein Ansatz ähnelt in vieler Hinsicht meinem eigenen: Ausgangspunkt sind die archäologischen Funde, vor allem Gefäße oder Löffel mit Anhaftungen von Nahrungsresten. Diese wurden für den Glauberg rekonstruiert – unter anderem von Susanne Gütter, die auch für die Zeiteninsel Keramik herstellt. Mit solchen Gefäßen versucht man dann herauszufinden, welche Gerichte sich mit den archäobotanisch belegten Zutaten tatsächlich zubereiten lassen.

Ein Ziel seiner Arbeit ist es, mit dem verbreiteten Bild aufzuräumen, dass Menschen in der Eisenzeit jeden Tag nur Brei gegessen hätten. Funde wie die aus dem Salzbergwerk von Hallstatt zeigen, dass die Ernährung deutlich vielfältiger gewesen sein muss.

Unsere Diskussionen gingen schnell weiter:
Wie wurde gekocht? Gab es Arbeitshöhen oder wurde am Boden gearbeitet? Gab es Tische? Wo standen Backöfen? Welche Rolle spielten Gefäße, Feuerstellen und Arbeitsflächen?

Interessant fand ich auch unterschiedliche Herangehensweisen bei den Zutaten. Während er zum Beispiel bewusst Lauch, Zwiebeln oder Apfelessig in Rekonstruktionen einbezieht, würde ich persönlich eher versuchen, mich strikt an nachweisbare Zutaten zu halten. Für mich liegt der Reiz eher darin, herauszufinden, wie Säure, Süße, Bitterkeit oder Schärfe mit den damals verfügbaren Mitteln erzeugt werden konnten.

Vernetzung

Was diesen Tag besonders wertvoll gemacht hat, waren die vielen Gespräche. Kaum war bekannt, dass wir von der Zeiteninsel kommen, wurden wir in den Pausen immer wieder angesprochen. Für das Netzwerken war diese Veranstaltung ideal.

Ein persönlicher Gedanke

Für mich persönlich hat der Tag noch einmal deutlich gemacht, wie sehr mich die Experimentelle Archäologie und Archäotechnik begeistert. Ich habe gemerkt, dass ich in diesem Bereich inzwischen viel Wissen gesammelt habe – und dass ich nach der Eröffnung der Zeiteninsel unbedingt weiter in diese Richtung arbeiten möchte.

Auch meine Entscheidung, bei EXAR (Europäische Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie e. V.) beizutreten, fühlt sich nach diesem Tag noch richtiger an.

Eine Idee zum Ausprobieren

Eine Idee habe ich sofort mitgenommen:
Am Glauberg wurde Räuchern in einem Keramiktopf ausprobiert. Das fand ich so spannend, dass ich das unbedingt einmal auf der Zeiteninsel testen möchte.

Solche kleinen Experimente – ob „weich“ oder streng wissenschaftlich – sind schließlich oft der Anfang neuer Erkenntnisse.

Brettchenweben in Essen – Begegnungen, Muster & Inspiration

Das Brettchenwebertreffen in Essen war wieder ein Tag voller Inspiration, wunderschöner Borten und spannender Gespräche. Hier ist mein persönlicher Rückblick – und ein kleiner Ausblick auf neue Webprojekte.

Ich bin morgens ganz gut durchgekommen auf der Strecke von Hessen ins Ruhrgebiet. Die üblichen Baustellen und der Kölner Ring waren nicht übermäßig voll. Im Unperfekthaus in Essen angekommen, waren meine lieben Mitweberinnen schon fleißig, hatten mir aber einen Platz in ihrer Mitte freigehalten. Es gab viel zu erzählen und neueste Webprojekte zu zeigen.

Nach einer Mittagspause mit Essen vom Buffet ging es dann für mich an die Auswahl einer Sint-Truiden-Borte. Silvia neben mir war schon am Werk und die Broschierung (Broschierung bedeutet, dass einzelne Fäden oft aus Gold- oder Silberlahn dekorativ über das Gewebe geführt werden – das sorgt für den schönen Glanz) glitzerte schön.

Silvia hatte mir extra noch ein Buch mitgebracht, wo ich in Ruhe nachlesen konnte, was es mit diesen Borten auf sich hat und ich entschied mich für die Borte 111, die Silvia bereits in Anlehnung gearbeitet hatte. Aus meinem Seidenvorrat entschied ich mich für eine grünblaue Seide, die ich mit Hilfe von Barbara auf den Webstuhl aufzog. 25 Brettchen sind gut händelbar (Eine Größe, die weder zu klein für Musterdetails noch zu sperrig für längere Webzeiten wird).

Ich habe dann ein erstes Stück in Köper gewebt und dann gestoppt, weil ich gemerkt habe, dass ich mir besser doch selbst einen Webbrief schreiben sollte und ich im Foto von der Originalborte entdeckte, dass das Original sich doch von Silvias Entwurf unterschied. Da ich eine Rekonstruktion machen möchte, kommt es auch auf Kleinigkeiten an. Daher entschied ich mich für heute Schluss zu machen und in den nächsten Tagen den Webbrief herzustellen.

So verging der Nachmittag wie im Fluge: bei den anderen Weberinnen schauen welche Projekte diese auf dem Webstuhl haben, wie welche Webrahmen funktionieren und viele Geschichten, Pläne für 2026 austauschen.

Ich hatte noch eine Borte von Sint Truiden entdeckt, die mit interessanten Knöpfen versehen ist und gemeinsam haben wir versucht herauszufinden, aus welchem Material die Knöpfe sind und wie man sie vielleicht selbst herstellen kann. Ich liebe diese Treffen, wo die Schwarmintelligenz so hilfreich ist.

Mit Silvia habe ich mich noch über den Vortrag zu Riedlingen unterhalten – wir sind beide gespannt auf die Forschungsergebnisse zu den Textilien.

Ich freue mich immer wieder auf diese Treffen, auch wenn es für mich eine weite Anfahrt bedeutet. Es ist einfach schön mit Leuten zusammenzusitzen, die genauso verrückt sind, wie man selbst.

Ich werde natürlich den Fortschritt der neuen Borte auf der Webseite dokumentieren und freue mich schon auf unser nächstes Treffen im Februar.

Körbe, Weide & Winterlicht – mein VHS-Kursabend

Heute nehme ich euch mit zu meinem VHS-Korbflechtkurs. Ein Abend voller Handwerk, natürlicher Materialien und überraschend viel Ruhe. Und natürlich mit vielen Ideen, die ich mit nach Hause genommen habe.

Mit acht motivierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern (ja es waren nicht nur Damen in unserer Runde), trafen wir uns an einem Freitagabend im Dezember in der Mittelpunkt-Schule in Hartenrod zu einem gemeinsamen kreativen Abend.

Die Teilnehmenden hatte zum Teil eigene Weidenruten geerntet und merkten relativ schnell, welche Ruten sich gut eigneten und welche weniger. Ich hatte auch ein Bündel mit frischen und eingeweichten Weiden mit, so dass wir nach einer kurzen Begrüßungsrunde gleich starten konnten.

Für die Herstellung von Schwingenkörben (Schwingenkörbe sind runde oder ovale Körbe, die aus zwei ineinander liegenden Ringen aufgebaut werden – eine klassische Technik, die stabil und wunderschön ist) müssen zunächst zwei Ringe geformt werden, die ineinander passen – das war schon die erste Herausforderung. Nachdem alle damit fertig waren und festgelegt hatten, welcher Ring zum Henkel wird und welcher zum Rand und wie tief oder flach ihr Korb werden sollte, ging es an des Verbinden der Ringe durch eine spezielle Technik. Diese musste ich immer wieder für jeden einzelnen an einem Demonstrationsstück vormachen und dann ging es los.

Im nächsten Schritt begann die eigentliche Flechtarbeit und in diesem Stadium wurden die Teilnehmenden ruhiger und entspannten sich. Zu diesem Zeitpunkt, konnte auch ich mit einem kleinen Korb beginnen.

Nach den ersten konzentrierten Schritten fiel spürbar die Anspannung ab – die Hände fanden ihren Rhythmus, die Stimmen wurden leiser, und die Weidenruten begannen ihre eigene Geschichte zu formen.

Zwischendurch wurden Fragen beantwortet, Hilfestellung geleistet und im Laufe des Abends entwickeln sich immer mehr – schöne individuelle Körbe. Es erfüllt mich jedes Mal, wenn Menschen entdecken, wie viel Kraft und Freude im Arbeiten mit Naturmaterialien steckt.

Alle Kursteilnehmenden haben einen Korb fertiggestellt und viele wollen nun weiter machen – ich bin gespannt und freue mich, wenn ich Interesse am Korbflechten wecken konnte – denn das Material ist in der Natur vorhanden.

Der nächste Kurs findet vor Ostern statt – ich werde rechtzeitig auf der Webseite darauf hinweisen.