Auf der Rückfahrt vom Symposium zur experimentellen Archäologie und Archäotechnik der Keltenwelt am Glauberg, kreisen mir noch viele Gedanken durch den Kopf. Solche Tage sind immer besonders inspirierend – nicht nur wegen der Vorträge, sondern vor allem wegen der Gespräche und Begegnungen in den Pausen.
„Symposium zur experimentellen Archäologie am Glauberg“ weiterlesenAutor: meischu
Ein Ausflug ins Mittelalter
Das Freilichtlabor Lauresham liegt am Rand der Stadt Lorsch, deren karolingisches Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Auf dem Gelände wurde ein frühmittelalterlicher Herrenhof aus der Karolingerzeit modellhaft rekonstruiert – ein Ort, an dem nicht nur Gebäude stehen, sondern an dem Geschichte ganz bewusst gelebt und erforscht wird.
„Ein Ausflug ins Mittelalter“ weiterlesenEin Malbuch für die Zeiteninsel
Mit der näher rückenden Eröffnung der Zeiteninsel habe ich mir die Frage gestellt, was wir Besucherinnen und Besuchern anbieten können, das über den eigentlichen Museumsbesuch hinausgeht. Etwas, das man mit nach Hause nehmen kann – als Erinnerung, aber auch als Einladung, sich weiter mit dem Gesehenen zu beschäftigen.
Ein Angebot, das von uns kommt, aus der Arbeit heraus entstanden ist und sich sinnvoll in das Gesamtkonzept der Zeiteninsel einfügt.
Relativ schnell kam mir der Gedanke an ein Malbuch.
„Ein Malbuch für die Zeiteninsel“ weiterlesenEin Tag Ahnenforschung
so viele Wege in die Vergangenheit
Manchmal merkt man schon in der Vorstellungsrunde, dass ein Kurs etwas Besonderes wird. So war es auch heute beim VHS-Kurs „Einführung in die Ahnenforschung“.
Zehn Menschen, zehn ganz unterschiedliche Zugänge zur Ahnenforschung – und doch ein gemeinsames Interesse: verstehen, woher man kommt und Geschichte(n) bewahren.
Zehn Teilnehmende – zehn Motive
Die Gründe, warum Menschen sich mit ihrer Familiengeschichte beschäftigen, könnten kaum vielfältiger sein:
- Beim Verkauf eines Hauses tauchen plötzlich alte Unterlagen auf – und mit ihnen Fragen.
- Jemand möchte die Geschichte seines Hofes erforschen: Wer hat hier gelebt? Wann wurde er erbaut? Welche Familien haben ihn geprägt?
- Eine Teilnehmerin brachte ein Foto mit – und eine große, sehr persönliche Frage: Wie war es, nach Sibirien interniert zu sein?
Ihr Zugang zur Ahnenforschung ist ein emotionaler, tastender – ein Versuch, einer Person näherzukommen, sie zu „erspüren“. - Andere interessieren sich für ihren Familiennamen, für Herkunft, Linien, Zusammenhänge.
- Manche möchten einfach wissen: Wer waren meine Vorfahren eigentlich?
Ahnenforschung ist selten nur ein Projekt. Oft ist sie ein Prozess und sie hat „Suchtcharakter“.
Ankommen, erzählen, zuhören
Wir starteten mit einer ausführlichen Vorstellungsrunde.
Jede und jeder erzählte, warum er oder sie heute hier ist.
Mehrere Teilnehmende sagten, sie hätten lange nach genau so einem Kurs gesucht. Eine Person war sogar aus Gießen angereist und spürbar glücklich, dieses Angebot gefunden zu haben, was mich natürlich sehr freut und bestärkt.
Die meisten waren Einsteiger, zwei Teilnehmende kannten den Kurs bereits – und waren dennoch bewusst ein zweites Mal dabei. Auch das ist Ahnenforschung: Man hört manches später mit anderen Ohren.
Werkzeuge, Wege – und neue Perspektiven
Im Laufe des Tages ging es um:
- grundlegende Herangehensweisen in der Ahnenforschung
- Programme und Datenbanken
- Suchmaschinen, Archive und Recherchewege
- die Frage, wie man gut beginnt, ohne sich zu verlieren
- und ganz praktisch: Wie ordne ich meine Unterlagen sinnvoll?
Ein wichtiger Punkt war auch das Führen von Interviews:
Welche Fragen stelle ich? Wie öffne ich Gespräche, ohne zu überfordern?
Zum ersten Mal: KI im Ahnenforschungskurs
Zum ersten Mal habe ich in diesem Kurs auch das Thema Künstliche Intelligenz aufgegriffen – und das Interesse war groß.
Gerade das Beispiel von meiner „Tante Dele“ hat gezeigt, wie KI helfen kann, Texte zu strukturieren, Zusammenhänge sichtbar zu machen oder neue Blickwinkel zu eröffnen.
Nicht als Ersatz für eigene Recherche – sondern als Werkzeug, das unterstützen kann.
Geschichten, Austausch, Begeisterung
Was diesen Tag besonders gemacht hat, waren nicht nur die Inhalte, sondern die Gespräche. Es wurde viel diskutiert, gelacht, nachgedacht.
Es wurden Geschichten geteilt – und neue Ideen geboren.
Am Ende des Tages war die Stimmung eindeutig:
Neugier, Motivation und der Wunsch, weiterzuforschen.
Wie geht es weiter?
Aus dem Kurs heraus sind bereits neue Gedanken entstanden:
- Ein gemeinsamer Besuch im Personenstandsarchiv in Neustadt
- Ein Vertiefungskurs, mit mehr Raum für praktische Übungen und individuelle Fragestellungen
Ahnenforschung endet nicht mit einem Kurstag.
Oft beginnt sie genau dort erst richtig.
Ein Jahr Häkeln – meine Temperaturdecke
Manche Projekte sind laut, groß und fordernd.
Und dann gibt es diese anderen – leisen Projekte, die wachsen, ohne Druck zu machen.
Meine Temperaturdecke gehört ganz eindeutig zur zweiten Sorte.
Die Idee dahinter ist einfach und gleichzeitig unglaublich vielschichtig:
Ein Jahr wird Masche für Masche sichtbar gemacht.
Was ist eine Temperaturdecke?
Eine Temperaturdecke ist ein Häkel- oder Strickprojekt, das sich über ein ganzes Jahr erstreckt.
Jeder Tag bekommt seinen Platz – in Form von Farbe.
In meinem Fall bedeutet das:
- jeder Tag besteht aus zwei Reihen
- eine Reihe für die Tiefsttemperatur
- eine Reihe für die Höchsttemperatur
- die Farben richten sich nach festgelegten Temperaturbereichen
- kalte Tage bewegen sich in Blau-, Lila- oder Grautönen
- warme Tage wandern Richtung Gelb, Orange oder Rot
Wie fein oder grob diese Abstufungen sind, ist ganz individuell.
Manche arbeiten mit 2-Grad-Schritten, andere mit 3 oder sogar 5 Grad.
Je mehr Farben man nutzen möchte, desto feiner kann man die Skala anlegen.
Mehr als Wetter: Erinnerungen einweben
Für mich ist eine Temperaturdecke nicht nur eine Wetteraufzeichnung.
Sie ist auch ein Jahresbegleiter.
Ich nutze kleine Maschenzähler oder Anhänger, um besondere Tage zu markieren:
- Geburtstage
- wichtige Termine
- schöne Erinnerungen
- manchmal auch stille, nachdenkliche Tage
So entsteht eine Decke, die man später nicht nur anschaut, sondern liest.
Man erkennt nicht immer sofort, warum ein bestimmter Abschnitt besonders ist – aber man weiß es.
Meine Technik: Mosaik-Häkeln
Ich häkle meine Temperaturdecke im Mosaik-Häkeln.
Diese Technik arbeitet mit klaren Linien und grafischen Mustern und eignet sich besonders gut für größere Projekte, die über einen langen Zeitraum wachsen.
Die Muster, die ich verwende, stammen unter anderem von der isländischen Häkeldesignerin Tinna Thorudottir Thorvaldar, deren Arbeiten mich durch ihre Klarheit, ihren Rhythmus und ihre moderne, grafische Sprache sehr ansprechen.
Weitere Muster nutze ich von der britischen Designerin Suraya Hossein, deren Entwürfe sich ebenfalls wunderbar für Mosaik-Häkelarbeiten eignen.
Besonders schön finde ich die Möglichkeit, pro Monat ein eigenes Muster zu verwenden.
Der Januar beginnt bei mir mit einem Zick-Zack-Muster – ruhig, gleichmäßig, fast meditativ.
So bekommt jeder Monat seinen eigenen Charakter, ohne dass die Decke ihre Gesamtwirkung verliert.
Ein Projekt ohne Überforderung
Was ich an der Temperaturdecke besonders liebe:
Sie überfordert nicht.
- jeden Abend nur eine oder zwei Reihen
- kein Aufholen von verpassten Tagen
- kein schlechtes Gewissen, wenn es mal spät wird
- ein kleines, stilles Ritual
Man setzt sich hin, schaut auf den Tag zurück, greift zur passenden Farbe –
und das Jahr wächst ganz von selbst.
Temperaturdecken als Geschenkidee
Viele Menschen häkeln oder stricken Temperaturdecken nicht für das aktuelle Jahr, sondern für ein Geburtsjahr. Online lassen sich historische Wetterdaten für viele Regionen abrufen, sodass man genau nachvollziehen kann, wie warm oder kalt es damals war.
Eine Temperaturdecke als Geschenk ist:
- sehr persönlich
- einzigartig
- voller Zeit und Aufmerksamkeit
Ein Jahr in Wolle – das ist etwas ganz Besonderes.
Mein Fazit
Meine Temperaturdecke ist kein Projekt für Perfektion.
Sie ist ein Projekt für Achtsamkeit.
Sie zeigt mir:
- dass jeder Tag zählt
- dass selbst unscheinbare Tage Teil eines großen Ganzen sind
- und dass Kreativität manchmal genau dort entsteht, wo man sich Zeit lässt
Ich bin gespannt, wie meine Decke am Ende aussehen wird.
Noch mehr freue ich mich aber auf den Weg dorthin – Masche für Masche, Tag für Tag.