Meilerbrand

Keramikbrand ohne Ofen

Der Meilerbrand ist eine der ältesten bekannten Methoden, Keramik zu brennen. Er kommt ohne geschlossenen Ofen aus und nutzt stattdessen die Hitze eines kontrollierten Holzfeuers, das über mehrere Stunden aufgebaut, verdichtet und schließlich luftdicht abgeschlossen wird.

🔹 Aufbau und Vorbereitung

Die Tongefäße werden zunächst langsam vorgewärmt, um Temperaturschocks zu vermeiden. In der Regel geschieht das am Rand der vorbereiteten Brandgrube oder auf einer feuerfesten Unterlage über einem offenen Feuer.

Ist der Ton gleichmäßig erhitzt, werden die Gefäße in die Mitte der Grube gestellt. Oft werden sie dabei innen mit Blättern, Stroh oder Rindenstücken gefüllt, um beim späteren Brand eine Schwarzfärbung der Oberfläche zu erzielen. Zum Schutz vor direktem Flammenkontakt werden empfindliche Stücke gelegentlich mit alten Scherben oder Tonplatten abgedeckt.

🔹 Der Brand

Rund um die Gefäße wird anschließend ein Feuerkranz gelegt, der schrittweise in die Mitte geschoben wird. Durch das Nachlegen von Holz entsteht eine gleichmäßig ansteigende Hitze, die die Gefäße von außen nach innen durchglüht.

Nach einigen Stunden intensiver Hitze wird der Meiler mit feuchten Blättern, Rinde und Erde bedeckt.
Dieser Schritt nennt sich Reduktion: Durch den verminderten Sauerstoffzufluss entstehen im Ton charakteristische graue bis schwarze Färbungen, oft mit schönen Flammen- oder Wolkenmustern.

🔹 Abkühlung und Ergebnis

Der Meiler bleibt anschließend viele Stunden, manchmal über Nacht, geschlossen. Während dieser Zeit sinkt die Temperatur langsam ab. Erst am nächsten Tag wird die Grube vorsichtig geöffnet.

Das Ergebnis sind unverwechselbare Keramiken mit natürlichen Farbverläufen, matten Oberflächen und einem sehr ursprünglichen Charakter.
Kein Stück gleicht dem anderen – jedes ist ein Zeugnis des Zusammenspiels von Erde, Feuer und Zufall.

🏺 Ursprüngliche Keramik – Meilerbrand auf der Zeiteninsel

Am vergangenen Wochenende fand auf der Zeiteninsel der Abschluss unseres VHS-Kurses „Ursprüngliche Keramik“ der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf statt. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen haben wir die in den Wochen zuvor gefertigten Gefäße in einem sogenannten Meilerbrand gebrannt – einer alten, spannenden und etwas unberechenbaren Methode, die immer wieder neue Überraschungen bereithält.

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Keramik

Keramik gehört zu den ältesten Handwerken der Menschheitsgeschichte.
Aus Ton, Wasser und Feuer entstehen Gefäße, die nicht nur nützlich, sondern auch Ausdruck von Kultur und Lebensweise sind.
Auf der Zeiteninsel erschaffen wir Keramik nach archäologischen Vorbildern – mit einfachen Werkzeugen, regionalen Tonen und experimentellen Brennverfahren.

Ziel ist es, die handwerklichen Prozesse vergangener Epochen praktisch erfahrbar zu machen:
vom Formen und Glätten über das Verzieren bis hin zu verschiedenen Brennarten wie Grubenbrand, Meilerbrand oder Ofenbrand.

Jedes Stück ist ein Unikat – geprägt von Erde, Feuer und Zufall.
Durch die Arbeit mit historischen Techniken gewinnen wir nicht nur Einblicke in alte Herstellungsweisen,
sondern auch ein Gefühl für das Können und die Geduld, die unsere Vorfahren in jedes Gefäß legten.

Gliederung

Einführung

Ton
Techniken und Werkzeuge
Archäologische Belege

Herstellungsweisen

Bemalen
Glätten und Polieren
Handaufbau

Brenntechniken

Grubenbrand
Meilerbrand
Ofenbrand

Verzierungen & Oberflächen

Ritzverzierungen
Abdrucktechniken
Inkrustieren

Aktuelles

🔗 Beispiel aus der Praxis

👉 Unser Meilerbrand auf der Zeiteninsel – Oktober 2025
Im Rahmen eines VHS-Kurses „Ursprüngliche Keramik“ wurde auf der Zeiteninsel ein Meilerbrand durchgeführt. Der Bericht zeigt den Ablauf, Erfahrungen und Ergebnisse mit vielen Fotos.

🔗 Beispiel aus der Praxis

👉 VHS-Kurs Steinzeitkeramik – Mai 2025
Bericht über den VHS-Kurs Keramik der Steinzeit in dem Kursteilnehmende in die Technik der Aufbaukeramik anhand von Beispielen aus der Bandkeramik und Rössener Kultur eingetaucht sind.

Keramik der Steinzeit – VHS-Kurs

Im Mai 2025 fand bei der VHS Marburg-Biedenkopf in Bad Endbach ein kreativer Kurs statt, bei dem interessierte Teilnehmende in die Kunst der Keramikherstellung der Steinzeit eintauchten. In zwei Tagen hatten die Kursteilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigenen Gefäße zu gestalten – und ich hatte die Freude, mein Wissen, das ich über die Jahre auf der Zeiteninsel erworben habe, über die faszinierende Geschichte der Keramik der Bandkeramik und der Rössener Zeit weiterzugeben.

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🏺 Töpfern wie in der Jungsteinzeit

Mein Erlebnis bei einem Workshop zur Keramik auf der Zeiteninsel

2017 nahm ich an einem besonderen Workshop auf der Zeiteninsel teil: Unter der Anleitung von Archäo-Technikerin Susanne Gütter tauchten wir in die Welt der jungsteinzeitlichen Bauern ein und stellten Gefäße nach Funden der Rössener Kultur her.
Über dieses Wochenende hatte ich bereits für den offiziellen Blog der Zeiteninsel geschrieben – heute erzähle ich die Geschichte noch einmal aus meiner eigenen Sicht.

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